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Testsieger Vanilleglace im Test: Viel Luft und wenig Geschmack

Gut die Hälfte der 13 untersuchten Glaces aus dem Detailhandel sind mit massenhaft Luft aufgepumpt. Sie enthalten weniger als 500 Gramm reine Glace pro Liter. Auch geschmacklich enttäuschten die meisten Glaces: Es fehlt allgemein an Vanillegeschmack. Nur ein Produkt konnte überzeugen.

Kugel Vanilleglace auf einem Teller, bestäubt mit Schokopuder.
Legende: Vanilleglace kommt am häufigsten auf den Schweizer Desserttisch. Colourbox

Der Sommer zeigt sich in seinem Endspurt noch einmal von seiner warmen Seite. Eine Abkühlung für den Gaumen ist da sehr willkommen, zum Beispiel mit einer feinen Glace.

Des Schweizers liebster Geschmack ist Vanille. Und genau diese Glacesorte haben die Westschweizer Konsumentenmagazine «Bon à Savoir» und «On en Parle» getestet. 13 Vanilleglaces in der Box – eingekauft im Detailhandel – wurden genau unter die Lupe genommen und den anspruchsvollen Gaumen einer vierköpfigen Jury vorgesetzt.

Zwei Testkriterien standen im Vordergrund

Die Prüfer legten ihr Augenmerk auf:

  1. Dichte: Anteil reine Glace / Anteil Luft
  2. Degustation (Farbe, Geschmack, Textur etc.)

Glacepreis wird durch Luft verfälscht

Punkt 1 ist schnell zusammengefasst: Uns wird viel Luft angedreht! Der Trick der Industrie ist nicht neu: Man füge der Glace ordentlich Luft zu und vergrössere damit das Volumen («Kassensturz» hat darüber berichtet).

Es ist daher kein Zufall, dass 7 der 13 Glaces eine Dichte von 0,5 oder weniger aufweisen. Das heisst, eine Liter-Dose enthält effektiv nur 500 Gramm reine Glace oder weniger. Kein Wunder auch, dass die Preise pro Liter und nicht pro Kilo angegeben werden.

Die Industrie erklärt dazu, Luft sei nötig. Sie mache die Glace cremiger und das Ausstechen einfacher. Jury-Mitglied und Eishersteller Paolo Gervasi kann darüber aber nur schmunzeln: «Klar, Luft braucht es zum Auflockern der Glacemasse. Aber dafür sind 20 bis 30 Prozent vollkommen ausreichend.»

Wo ist der Vanillegeschmack?

Hinzu kommt, dass die Menge an Luft einen direkten Einfluss auf den Geschmack hat. Je mehr Luft, desto fader schmeckt die Glace, mussten die Degustatoren unter Punkt 2 feststellen. Ihnen fehlte allzu oft der typische Vanillegeschmack. Bei der Bio-Glace der Migros war er gar überhaupt nicht vorhanden. Dafür versucht der Hersteller scheinbar den Mangel an Vanille mit umso mehr Zucker zu überspielen.

Geschmacklich überzeugen konnte schliesslich nur ein Produkt: Die Vanilla-Bourbon-Glace Thiriet aus dem Manor. Die Jury bewertete die Farbe sowie die ausgewogene und cremige Textur als positiv. Allerdings: Auch diese Dose enthält effektiv nur 530 Gramm Glace. Hier steckt also ebenso ordentlich Luft drin.

Die drei Favoriten der Jury

Hier die Details zu den drei Vanilleglaces auf dem Podest:

Thiriet Vanille Bourbon
Eingekauft bei Manor
Preis 5.90 Franken (1 Liter)
Dichte: 530 g/Liter
Preis pro Liter: 5.90 Franken / Preis pro Kilo: 11.13 Franken
Note Degustation: 16,6 Punkte (von 20 Punkten)

Crème d’Or Vanille Bourbon
Eingekauft bei Migros
Preis 9.80 Franken (1 Liter)
Dichte: 500 g/Liter
Preis pro Liter: 9.80 Franken / Preis pro Kilo: 19.60 Franken
Note Degustation: 13,7 Punkte (von 20 Punkten)

Coop Naturaplan
Eingekauft bei Coop
Preis 4.95 Franken (480 ml)
Dichte: 510 g/Liter
Preis pro Liter: 10.76 Franken / Preis pro Kilo: 21.06 Franken
Note Degustation: 13,5 Punkte (von 20 Punkten)

Quelle: «Bon à Savoir» - Ausgabe 7-8 2017 (Den ausführlichen Testbericht und sämtliche Resultate finden Sie kostenlos unter bonasavoir.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster)

Legende: Video 04.06.13: Vanille-Glace im Test: Diese lassen den Gaumen kalt abspielen. Laufzeit 9:07 Minuten.
Aus Kassensturz vom 04.06.2013.

Rubrik «Testsieger»

In «Testsieger» informiert «Kassensturz» über Tests von anderen Konsumenten-Magazinen und -Sendungen im In- und Ausland. Hier geht es zu allen Tests.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Frei (RFrei)
    Die im Detailgeschäft erhältlichen Glaces sind alles Fabrikprodukte, die unter anderem auf lange Lagerfähigkeit im Tiefkühler optimiert sind und meist sogar ein Auftauen und Wiedereinfrieren vertragen. Der Stabilisator und der Emulgator richtet es schon. Schade, dass in der Schweiz die gute Gelati Kultur verloren gegangen ist; die italienischen Familienbetriebs-Gelaterias (Italien, Deutschland, Österreich) machen noch gutes Glace.
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    1. Antwort von A. Kissling (aendu77)
      Genau! Wenn man einmal in Italien richtige Gelati gegessen hat, ist jede industriell hergestellte Glacé einfach nur Müll :-)
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