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Geld Viel Ärger mit der Generalvollmacht

Wer fürs Alter vorsorgen will und seinen Verwandten eine Generalvollmacht ausstellt, erlebt häufig eine böse Überraschung. Die meisten Schweizer Banken akzeptieren nur eigene Vollmachten.

Legende: Audio «Viel Ärger mit der Generalvollmacht» abspielen. Laufzeit 8:18 Minuten.
8:18 min, aus Espresso vom 25.11.2014.

Mit 94 Jahren will Fortunatus S. aus Basel vorsorgen, falls er irgendwann unfallbedingt ins Spital muss, urteilsunfähig wird oder schlimmer. Er lässt deshalb eine Auftrags- und Generalvollmacht erstellen und diese vom Notar beglaubigen.

Credit Suisse akzeptiert Generalvollmacht nicht

Fünf Jahre später tritt der Ernstfall ein. Doch die Credit Suisse weigert sich, das Papier anzuerkennen. Es würden nur Vollmachten auf bankeigenem Formular akzeptiert. Bürokratie pur. Dass der inzwischen 99-Jährige im Spital liegt und keine Kraft für bürokratische Spielchen hat, ist der Bank egal.

«Völlig unverständlich»

Für Jean-Pierre Becher, Generalsekretär des Schweizerischen Notarenverbands, ist die Reaktion unverständlich. «Eine Generalvollmacht ist rechtlich gültig - erst recht, wenn sie beglaubigt ist. Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass eine Bank diese nicht akzeptiert.»

Gegenüber «Espresso», dem Konsumentenmagazin auf Radio SRF 1, will die Credit Suisse nur schriftlich Stellung nehmen, mit folgendem Statement: «Bei der Credit Suisse kommen für die Erteilung von Vollmachten generell bankeigene Formulare zur Anwendung, die auf eine bestimmte Bankbeziehung beschränkt sind. Die Vollmachten werden bei der Bank hinterlegt und der Vollmachtgeber hat so jederzeit die Möglichkeit, die Vollmacht durch eine entsprechende Erklärung an die Bank zu widerrufen. Dies erleichtert die Handhabung und minimiert Interessenkonflikte und Risiken.»

Oft Probleme mit Generalvollmachten

Keine Überraschung für Yvo Biderbost, Leiter Rechtsdienst bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Kantons Zürich. Immer wieder gebe es Probleme mit Banken und Generalvollmachten. Zwar sei so ein Dokument rechtlich gültig. Im Geschäftsverkehr könne eine Bank aber selber bestimmen, welche Formen von Vollmachten sie akzeptiere.

Nur Postfinance und Luzerner Kantonalbank kundenfreundlich

Die Umfrage von «Espresso» bei den acht grössten Deutschschweizer Banken ergibt ein ernüchterndes Bild. Credit Suisse, UBS, Raiffeisen, ZKB, St.Galler Kantonalbank und Migrosbank akzeptieren nur Vollmachten auf eigenem Formular.

Einzig die Luzerner Kantonalbank sowie Postfinance sind kundenfreundlicher. Allerdings muss explizit erwähnt sein, dass die Generalvollmacht auch für die Vermögensverwaltung gilt.

Vollmachten: Wie vorsorgen?

  • Früh vorsorgen – nicht erst im Rentenalter!
  • Sich Gedanken machen, für welche Geschäfte eine Vollmacht gegeben werden soll
  • Sich Gedanken machen, wer als Vollmachtnehmer in Frage kommt: z.B. Ehepartner, Kinder, rechtliche Vertreter oder soziale Dienste. Dies ist vor allem auch eine Frage des Vertrauens.
  • Für jedes Bankkonto eine spezifische Bankvollmacht machen lassen
  • Für den Fall der Urteilsunfähigkeit einen Vorsorgeauftrag aufsetzen
  • Für die Vertretung gegenüber Ämtern, Behörden und sonstigen Drittparteien eine Vollmacht oder eine Generalvollmacht erstellen.

Auch Ehepaare müssen vorsorgen

Paare, die ein gemeinsames Konto führen, auf das beide gleichberechtigt Zugriff haben, brauchen dafür keine zusätzliche Vollmacht. Aufpassen muss man aber, wenn das gemeinsame Konto nur auf den Namen einer Person läuft.

Wenn diese Person ins Spital muss, dement wird oder stirbt, kann es Probleme geben. Deshalb ist es ratsam, ein gemeinsames Konto zu führen, oder für jeden Partner ein eigenes Konto einzurichten.

Ist Letzteres der Fall, ist es ratsam, sich gegenseitig eine Bankvollmacht zu erteilen sowie den Partner im Testament als Willensvollstrecker einzusetzen.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Stalder Otto, 3182 Ueberstorf Dürimatt 14
    Bei einer Generalvollmacht entmündigt sich der ausstellende selber. Wir haben im Kanton Bern eine Story wo der Notar und Rechtsanwältin zusammen spielen. Ähnliches System wie Mafia, Ärzte geben noch dazu Ihren Segen mit Arztzeugnissen. Der Fall Zuppigger und IVO Romer Zug sind bekannt. Man muss schon ausserhalb fast vom Kanton gehen. Besucht einmal die Homepage der Kester&Häusler Stiftung in Deutschland dann könnt ihr mit erstaunen feststellen wie Erbschleicherei geht.
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  • Kommentar von Tom Keller, Humlikon
    ich kann den ärger in den anderen kommentaren nur bedingt nachvollziehen. hätte der kunde zuerst bei seiner bank nachgefragt, was genau benötigt wird, dass ihn jemand bei seinen bankgeschäften vertreten kann, dann hätte er sich den ganzen (teuren) aufwand mit anwalt und notar ziemlich sicher sparen können. zudem stellt sich die frage, ob nicht sowohl anwalt als auch notar von den vorschriften der banken hätten wissen müssen und ihren kunden trotzdem eine teure nutzlose dienstleistung verkauften.
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  • Kommentar von Edu Schraner, Killwangen
    Wo bleibt da eigentlich unsere Bundesrat resp. Bundesgericht, welche ein Staat im Staate zulassen? Kann nun jeder seine Regeln selber aufstellen oder bleibt dies dem Finanzsektor vorbehalten? Brauchen wir ein neues Gesetz in dem solcher Wildwuchs als Offizialdelikt deklariert wird und somit die Behörden endlich etwas tun! sollten!!!
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    1. Antwort von Leone, Baden
      Genau das Problem hatte ich auch mit einer beglaub. Generalvollmacht von meiner Mutter und als ich zu einem sehr bekannten Star-Anwalt ging (600 Fr. / h), sagte er mir klar und deutlich: "...die Banken halten sich nicht an das Gesetz. Sie haben und machen ihr eigenes Gesetz..." ...da war ich schon baff und so blieb mir nichts anderes übrig als somit mich zu bücken oder sonst teur zu prozessieren mit nur wenig Erfolgschancen. Fazit: Das Geld regiert diese Welt und die Gesetze schützen es!
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