Warum Diesel in der Schweiz teurer ist als Benzin

Der Hauptgrund: Diesel wird in unseren Nachbarländern weniger hoch besteuert. Das hat historische Gründe, hat «Espresso Aha!» herausgefunden. Je nach Marktlage kommt es selten vor, dass auch in der Schweiz Diesel günstiger ist als Benzin.

Dass im nahen Ausland Diesel an der Tankstelle günstiger ist als Benzin, liegt in erster Linie an den Abgaben an den Staat. Roland Bilang, Geschäftsführer der Erdölvereinigung sagt: «In der Schweiz wird der Liter Diesel vom Staat mit fast 88 Rappen belastet. Andere Länder erheben weniger Steuern auf Diesel.» So sind beispielsweise in Deutschland die Steuern auf einen Liter Diesel 18 Cent tiefer als auf einen Liter Benzin. Daher rollen im nahen Ausland auch viel mehr Dieselautos über die Strassen.

Mit tiefen Diesel-Steuern die Wirtschaft fördern

Diese tiefere Besteuerung von Diesel hat historische Gründe: Früher war Diesel vor allem der Treibstoff für Busse, Lastwagen und Baumaschinen – also der Treibstoff der Industrie. Um diese Wirtschaftszweige zu fördern, hielten viele Staaten die Steuern auf Diesel bewusst tief. Auch wenn inzwischen in vielen EU-Staaten auch rund die Hälfte aller Privatautos mit Diesel fährt: Die tiefere Besteuerung ist geblieben.
Der Dieselpreis hängt aber nicht nur von den Steuern ab. Er wird von diversen anderen Faktoren beeinflusst: «Der wichtigste Faktor ist immer noch der Rohölpreis», sagt Roland Bilang. Hinzu kämen die Transportkosten, die stark schwanken könnten. So könne der Wasserstand des Rheins den Transport verteuern. Im kleineren Masse haben auch der Wechselkurs zwischen Dollar und Franken und die Marktlage Einfluss auf den Preis. Wenn beispielsweise die Nachfrage nach Diesel weltweit sehr gross ist. Diese Faktoren würden den Preis an der Tanksäule jedoch nur im Rappenbereich verändern.

Diesel war auch in der Schweiz schon günstiger als Benzin

Je nachdem, wie diese Faktoren den Diesel- und Benzinpreis beeinflussen, kommt es selten vor, dass auch in der Schweiz der Dieselpreis unter demjenigen für Benzin liegt. Das war beispielsweise im August 2015 der Fall. Der Geschäftsführer der Erdölvereinigung sagt dazu: «Das kann passieren, wenn das Angebot an Diesel weltweit grösser ist als die Nachfrage.» Und wenn gleichzeitig beim Benzin die Nachfrage besonders gross ist.

Dass unsere Nachbarländer Diesel gegenüber dem Benzin stark bevorzugen, ist inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr. So hat Frankreich – ein Land mit traditionell sehr hohem Anteil an Dieselautos – vor einem Jahr die Steuern auf Diesel erhöht. Prompt ging der Verkauf von Dieselfahrzeugen zurück. Diese Entwicklung steht auch im Zusammenhang mit den Manipulationen der Autokonzerne an Dieselfahrzeugen.

«Espresso Aha!»

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