Wie wasserdicht Smartphones wirklich sein können

Immer mehr Handys sind wasserdicht – dies versprechen zumindest die Hersteller. In der Praxis zeigt sich aber, dass sie bei Kontakt mit Wasser trotzdem kaputt gehen. «Wasser und Elektronik vertragen sich schlecht», sagt dazu ein Experte. Daran ändern auch die Bemühungen der Hersteller wenig.

Samsung handy

Bildlegende: Besser nicht: Trotz der Bezeichnung «wasserdicht» ist jeder Kontakt mit Wasser besser zu vermeiden. SRF

IP67 – das ist die Zertifizierung, die Apple bei der Vorstellung des neuen iPhones publikumswirksam auf Grossbildschirmen einblenden liess. Es handelt sich dabei um einen internationalen Standard für elektronische Geräte.

Die erste Ziffer bedeutet, dass das Gerät staubdicht ist, die zweite Ziffer bedeutet, dass es zudem wasserdicht ist (Siehe Tabelle unten).

Spritzwasserfest oder wasserdicht?

Der Wert IP64 heisst lediglich, dass ein Gerät vor Spritzwasser – also Regen – geschützt ist. Viele Smartphones erfüllen indes den Wert IP68, sie sollten also noch besser vor Wasser geschützt sein als das neue iPhone. Die Werte wurden jedoch zu Laborbedingungen ermittelt. Die Hersteller listen in den Bedienungsanleitungen auf, was man im realen Leben mit dem Handy tun darf und was nicht.

So darf ein Gerät mit IP68 zwar während 30 Minuten in 1,5 Metern Tiefe bleiben, das Wasser darf sich jedoch nicht stark bewegen (z.B. Wellen). Zudem wird oft davor gewarnt, das Handy unter Wasser zu verwenden oder anderen Flüssigkeiten als Wasser auszusetzen.

Auch soll es sofort nach Wasserkontakt trocken gewischt werden. Werden diese Hinweise nicht eingehalten, könne das Gerät beschädigt werden, heisst es dann.

USB- und Kopfhöreranschlüsse sind heikel

Matthias Huber vom Verband Electrosuisse erklärt, dass Handys im Vergleich mit Uhren bezüglich Wasserdichtigkeit einen entscheidenden Nachteil haben: Die Anschlüsse.

Uhren müssen nirgends angeschlossen werden, Handys müssen jedoch zum Beispiel aufgeladen werden. Die meisten haben zudem Kopfhöreranschlüsse und Anschlüsse für die Datenübertragung. Diese Anschlüsse sind die Schwachstellen der Geräte.

Hersteller von wasserdichten Handys haben bisher oft versucht, die Anschlüsse mit kleinen Klappen abzudichten. Laut Matthias Huber ist das ständige Öffnen und Schliessen der Klappen im Zusammenhang mit der Wasserdichtigkeit heikel, diese nimmt mit der Zeit ab. Hersteller sind auch deshalb immer mehr dazu übergegangen, die Anschlüsse von innen zu versiegeln.

Bei kleinstem Loch dringt Wasser ein

Das Versiegeln sollte während der Garantiefrist dafür sorgen, dass die Geräte wasserfest bleiben. Das Problem: Selbst ein kleinstes Loch in länger benutzten Handys genügt, um Wasser in das Gerät zu lassen und zu einem Defekt zu führen.

Oft folgt dann ein Streit mit dem Hersteller, ob der Wasserschaden auf normale Abnutzung oder «unsachgemässe Verwendung» zurückzuführen ist. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Handy vor dem Wasserschaden auf den Boden gefallen ist. Solche «unsachgemässe Verwendung» schliessen die Hersteller von der Garantie aus.

Das bedeuten die IP-Codes

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