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Was ist aus der Velokelle geworden?
Aus Espresso vom 04.11.2019.
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«Espresso Aha!» Wieso ist die Velo-Abstandskelle verschwunden?

In den 70/80er-Jahren war die orange Veloabstandsfahne extrem populär. Jetzt ist sie verschwunden: Warum? Und: Zu Recht?

In den 1970- und 80er-Jahren war die Velo-Abstandskelle extrem populär. Die orange Fahne aus Plastik mit einem Reflektor in der Mitte war damals an praktisch jedem Kinder- und auch an vielen Erwachsenenvelos montiert. Sie konnte nach Belieben ein- und ausgeklappt werden, um besonders eng überholende Autofahrer auf Distanz zu halten.

Der Trend kam Ende der 70er aus Skandinavien, wo eine Studie nachgewiesen haben soll, dass Distanz-Kellen für Velofahrer mehr Abstand bringen.

«Zu wenig sexy»

In der Schweiz ist die Abstands-Fahne erstmals 1978 aufgetaucht. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung Bfu stellte bei der damaligen eidgenössischen Polizeiabteilung den Antrag, diese offiziell zuzulassen. Bis dahin waren Reflektoren am Velo (ausser jene an den Reifen) nämlich verboten.

«Espresso Aha!»

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«Espresso Aha!»

Jeden Montag beantworten wir in der Rubrik «Espresso Aha!» eine Frage aus dem Publikum. Haben auch Sie eine? Senden Sie sie uns!

Der Bund sagte ja, und der Boom begann. Doch heute sind die Abstands-Halter praktisch von den Velos verschwunden. Über die Gründe können Expertinnen und Experten nur spekulieren. Wahrscheinlich war und ist die Kelle schlicht zu wenig «cool».

Die meisten Autofahrer überholen zu knapp

Trotzdem, das Thema Abstand bleibt aktuell. Eine Stichprobe des Konsumenten-Hefts «Saldo» in Zürich und Basel zeigte kürzlich: Vier von fünf Autofahrern halten den empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern beim Überholen von Velos nicht ein. Jeder fünfzigste Autolenker überholte sogar mit einem Abstand unter 50 Zentimetern. Extrem knapp.

Siicherheitsabstand
Legende: Eine «Saldo»-Stichprobe zeigte kürzlich: Vier von fünf Autofahrern halten den empfohlenen Sicherheitsabstand nicht ein. Suva

Eine Abstands-Kelle wäre deshalb auch heute noch sinnvoll, sagen viele Experten. Ein Fahrrad ist von hinten schmal und sehr schlecht sichtbar. Eine ausgeklappte Velofahne macht es optisch breiter. «Wir empfehlen allen VelofahrerInnen, eine solche Kelle zu montieren. Sie sensibilisiert Autofahrer, dass man Velos mit genügend Abstand überholt», sagt Christoph Merkli, Geschäftsführer von Pro Velo Schweiz.

Pro Velo will Mindestabstand einführen

Im Schweizer Gesetz steht nur, dass Velos mit ‹ausreichendem Abstand› überholt werden müssen. Aber nicht, mit wie viel. Das will Pro Velo ändern: Bis Geschwindigkeiten unter 50 Stundenkilometern soll es mindestens ein Meter sein. Darüber 1 Meter 50. «In anderen europäischen Ländern ist das im Gesetz so festgeschrieben. Wir möchten, dass auch in der Schweiz eine absolute Zahl drinsteht, an der man sich orientieren kann», so Merkli.

Grüne Kelle mit roten Reflektoren.
Legende: Die Suva versuchte 2010 die Sicherheits-Fahne wiederzubeleben mittels einer grünen Kelle. Suva

Gratiskellen bei der Suva

Die Suva versuchte anno 2010, die Sicherheits-Fahne noch einmal wiederzubeleben. Sie lancierte eine neue, grüne Kelle mit rotem Reflektor. Leider mangelte es an Interesse. Doch wer beim Velofahren Sicherheit über Coolness stellt, kann auch heute noch an diversen Orten eine Abstands-Kelle kaufen. Oder sogar gratis beziehen bei der Suva, solange der Vorrat reicht.

Seitlichen Überholabstand regeln – Das sagt der Bundesrat dazu:

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FDP-Nationalrat Rocco Cattaneo reichte am 14. Dezember 2018 eine Motion beim Bundesrat ein. Doch die Antwort des Bundesrats, welche bereits am 27. Februar 2019 erfolgte, fiel wie bei der Interpellation des Nationalrats Matthias Aebischer am 14. Februar 2018 erneut negativ aus. Der Bundesrat hielt daran fest, dass ein Überholabstand nicht gemessen werden könne. Die Motion, Link öffnet in einem neuen Fenster muss noch im Parlament behandelt werden.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Kessler  (TichuPotter)
    Ich fahre seit 2 Jahren mit der Abstandskelle, rund und 20'000 km pro Jahr notabene. Aus dieser Erfahrung kann ich sagen, dass es null und nichts nützt. Die wenigen rücksichtvollen Autofahrer überholen sowieso mit genügend Abstand, und der grosse Rest kümmerts wenig und drängelt sich ohne jeglichen Anstand an uns vorbei. Die Kommentare hier sprechen ja einmal mehr Bände.
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  • Kommentar von Claude Nobs  (bernstein)
    Also als tagtäglicher Velofahrer finde ich zumindest innerorts mehr als 50cm Abstand beim überholen völlig übertrieben. Ausserorts (wegen der Druckwelle) und bei Kindern (und anderen "wackligen" Velofahrern) ist sicher mehr Abstand gefordert!
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  • Kommentar von Matthias Rey  (matthiasrey)
    Die Idee vom 1,5m Abstand beim Überholen ist nicht schlecht. Sollte allerdings auch auf Wanderwegen für den Abstand von Velofahrer und Wanderer gelten - nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch wegen des ständigen Erschreckens und Störens der Wanderer. Übrigens: Velofahren ist nur dann umweltfreundlich, wenn es das Auto ersetzt, nicht aber, wenn es als Alternative zum Wandern gemacht wird.
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    1. Antwort von H. (männlich) Hostettler  (Ich bin's)
      Auf Wanderwegen 1,5m Abstand? Heisst, Wanderwegen müssen ca 3,5 m breit seit weil ja viele in der Mitte unterwegs sind. Gibt aber ordentlich Arbeit. Und viele, viele Sprengungen im Gebirge. Und noch etwas: wie gross muss die Wanderwegpolizei sein die das Einhalten der Abstände überwacht. Gruss von einem Vielwanderer und NichtimGebirgevelofahrenden.
    2. Antwort von Remo Fischer  (remi22)
      Ich geniesse es immer wieder mit dem e-bike auf wanderwegen zu fahren. das einzige was stört sind die wanderer, die schon nicht mehr richtig laufen können, die klingel nicht hören weil sie ihr hörgerät wohl vergessen haben.
      man könnte ja einfach wanderwege im tal machen für wanderer und die in den bergen den bikern überlassen.
    3. Antwort von Fritz Rueegsegger  (Matterhorn+234)
      Vor allem dann, wenn der Wanderweg schmaler als 1 m ist? Spass beiseite: Leider zwängen die Autofahrer auch bei Gegenverkehr oft an den Velofahrer vorbei. Deshalb bin ich für den Mindestabstand und ich fahre oft ganz bewusst mit meinem Fahrrad nicht ganz am rechten Rand.