300 Jahre Robinson Crusoe

  • Dienstag, 23. April 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 23. April 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 23. April 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Geschichte von Robinson Crusoe fasziniert seit 300 Jahren Jung und Alt. Kontext beschäftigt sich mit dem Jahrhundertroman und mit dessen kolonialistischem und rassistischem Inhalt. Ausserdem beleuchtet die Sendung, wie Robinson in der Filmmusik interpretiert wird.

Am 25. April 1719 veröffentlichte Daniel Defoe den Roman «Robinson Crusoe» in London. Noch im selben Jahr wurde es mehrere Male nachgedruckt. Die Leserschaft riss sich um die Abenteuergeschichte. Und dies nicht nur in England: 1720 existierten bereits vier verschiedene deutsche Übersetzungen. Nach Bibel und Koran ist «Robinson Crusoe» heute das drittmeistaufgelegte Buch der Welt. Dazu kommen jenste Weiter-, Um- und Neuschreibungen, die sogenannten Robinsonaden.

Mit Virginia Richter, Professorin für englische Literaturwissenschaft an der Universität Bern, sucht Kontext nach Erklärungen für den riesigen Erfolg, den Daniel Defoes Geschichte hatte und noch immer hat. Auch die Entstehungsgeschichte des Romans wird näher beleuchtet.
Ein weiterer Fokus der Sendung ist das kolonialistische und rassistische Gedankengut, welches «Robinson Crusoe» bis in die Gegenwart transportiert.

Die Zürcher Anglistin Ana Sobral zeigt anhand von ausgewählten Zitaten, wie sehr sich Robinsons Handeln und unser positives Bild von ihm widersprechen. Sobral erklärt ausserdem, wie der Robinson-Stoff in den postkolonialen Gesellschaften wahrgenommen und kritisch verarbeitet wurde.

Schliesslich löst sich die Sendung vom Original-Robinson und untersucht mit Filmmusik-Experte Kurt Widorski, wie der Robinson-Stoff in verschiedenen Epochen von der Filmmusik interpretiert wurde.

Beiträge

  • «Robinson Crusoe» aus postkolonialer Sicht

    Robinson ist Rassist, Sklavenhalter und Kolonisator. Das zeigt ein aufmerksamer Blick in Daniel Defoes Roman. Robinson richtet sich die Insel, auf der er strandet, nach seinem Gutdünken ein und rettet Freitag das Leben, nur um ihn zu benennen und ihn zu seinem Sklaven zu machen.

    Ana Sobral zeigt auf, dass Robinson in einer Tradition steht, die 1492 mit Christoph Kolumbus «Entdeckung» Amerikas ihren Anfang nahm und bis heute fortbesteht.

    André Perler

  • Wie Robinson in den ehemaligen Kolonien neu geschrieben wird

    Im Unabhängigkeitsprozess haben sich postkoloniale Kulturen von ihren Besatzern emanzipiert und eurozentristische Klassiker wie «Robinson Crusoe» neu interpretiert.

    Ana Sobral erklärt dieses ‘postcolonial rewriting am Beispiel der beiden Literaturnobelpreisträger Derek Walcott (St. Lucia) und J. M. Coetzee (Südafrika).

    André Perler

  • Robinson als perfekte Folie für Filmmusiken aller Art

    Die Robinsongeschichte ist eine schöne Projektionsfläche für Fantasien aller Art. Einige Leute sind diesen Fantasien nicht nur im eigenen Kopf nachgegangen, sondern auf der Leinwand.

    Und zwar recht oft: Seit der Stummfilmzeit und bis heute gibt es Dutzende Verfilmungen, die den einen oder anderen Aspekt der Robinson-Thematik herausgreifen und weiterverfolgen.

    Und da es zu den Bildern ja immer auch eine Tonspur gibt, schauen wir uns zusammen mit dem Filmmusikexperten Kurt Widorski an, wie die Filmmusik mit dem Thema Robinson, also den grossen Gefühlen Fremdheit, Exotik, Wildheit, Gefahr umgeht.

    Florian Hauser

Autor/in: André Perler, Florian Hauser, Moderation: Norbert Bischofberger, Redaktion: Bernard Senn