Akademische Freiheit – ein gefährdetes Gut

  • Montag, 4. Dezember 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 4. Dezember 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 4. Dezember 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Entlassungen, politischer Druck und Geldentzug: Die Arbeitsbedingungen an Universitäten verschlechtern sich in vielen Ländern ­­– Kontext wirft einen Blick in die Türkei, nach Ungarn und Griechenland.

Der politische Druck auf das akademische Personal nimmt in vielen Ländern zu. Allein in der Türkei wurden rund 8000 Professoren und Dozentinnen entlassen. Auch in Ungarn nimmt die Regierung immer mehr Einfluss auf die Hochschulen. Und in Griechenland hat die Wissenschaft, die die Gesellschaft und Politik untersucht, kein Brot.

Die akademische Freiheit ist an vielen Orten in Gefahr – ein Thema, das auch die Völkerrechts-Professorin Martina Caroni umtreibt, die sich innerhalb der Akademien der Wissenschaften Schweiz für politisch verfolgte Forscherinnen und Forscher einsetzt.

Beiträge

  • Aus politischen Gründen entlassen: Can Irmak Ozinanir hält seine Vorlesungen jetzt in einem Park in Ankara

    Türkei: Aus politischen Gründen entlassen

    In der Türkei ist die Situation der Akademikerinnen und Akademiker besonders schwierig: Seit dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 sind rund 8000 politisch unliebsame Professorinnen und Wissenschaftler von der türkischen Justiz entlassen worden.

    Rund zwölf Universitäten mussten den Betrieb einstellen.

    Unter Druck stehen aber auch jene Dozenten, die sich an den Hochschulen haben halten können: Ihre akademische Freiheit wird zunehmend eingeschränkt, und kontroverse Themen verschwinden vom Stundenplan.

    Ruth Bossart

  • Dr. Michael Ignatieff, President der Central European University in Budapest, spicht in Wien über zunehmenden politischen Druck auf ungarische Universitäten

    Ungarn: Zunehmender politischer Zugriff

    Die ungarische Regierung baut - in Konkurrenz zu bestehenden Universitäten - neue, ihr nahestehende Hochschulen auf. Sie schafft zudem Parallelstrukturen, um ihren Einfluss auf die akademischen Betriebe zu sichern.

    Umstritten sind etwa die sogenannten «Kanzler»: staatliche Aufpasser, die offiziell dafür sorgen, dass die Finanzen der Universitäten nicht aus dem Ruder laufen. Denn Geld bedeutet auch in Ungarn Macht. Wer es kontrolliert, hat das Sagen.

    Urs Bruderer

  • Studierende in Athen protestieren gegen die Sparpolitik der Regierung

    Griechenland: Zero-Hour-Contract

    Die restriktive Sparpolitik, die die Europäische Union Griechenland verordnet hat, wirkt sich im Wissenschaftsbetrieb aus: Viele Professoren und Akademikerinnen sind in der Forschung und Lehre tätig, ohne dafür einen Lohn zu erhalten.

    Ein Zero-Hour-Contract bescheinigt ihnen lediglich, dass sie im akademischen Betrieb angestellt sind, garantiert ihnen aber keine Gegenleistung.

    Allerdings habe das Prekariat an den Universitäten bereits vor der Finanzkrise begonnen, sagt die Sozialwissenschaftlerin Aimilia Voulvouli von der Aristoteles-Universität in der nordgriechischen Stadt Thessaloniki.

    Sabine Bitter

  • Martina Caroni

    «Nicht wegschauen!»

    Als Delegierte für Menschenrechte der Akademien der Wissenschaften Schweiz setzt sich die Völkerrechts-Professorin Martina Caroni für Forscherinnen und Forscher ein, die in ihren Herkunftsländern wegen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit verfolgt werden.

    Die Möglichkeiten dieses Engagements seien begrenzt, sagt Martina Caroni. Trotzdem sei es für die Schweiz zwingend, die akademische Freiheit international zu verteidigen, sich mit verfolgten Wissenschaftern zu solidarisieren und breite Kreise für deren Anliegen wachzurütteln.

    Irène Dietschi

Autor/in: Ruth Bossart, Urs Bruderer, Irène Dietschi, Sabine Bitter, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Sabine Bitter