«Critical Whiteness»: Ist das Theater weiss?

  • Mittwoch, 7. März 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 7. März 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 7. März 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Weisse Schauspieler und Schauspielerinnen sind auf den deutschsprachigen Theaterbühnen die Norm. Doch weshalb ist das eigentlich so? Und warum fällt es uns nur dann auf, wenn dieser «Normalfall» in Frage gestellt wird?

Es sind kulturelle Traditionen, historische Entwicklungen, Gewohnheiten. Und es hat auch mit Rassismus, Privilegien und Weisssein zu tun. Denn weshalb sollte Hamlet und Gretchen nicht von einem Schwarzen Schauspieler oder einer Schwarzen Schauspielerin dargestellt werden können?

Die afrodeutsche Regisseurin Anta Helena Recke, die Berliner Forscherin und Trainerin Julia Lemmle und die südafrikanische Performerin Ntando Cele beschäftigen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Weisssein und den Privilegien, die damit verbunden sind. Gerade in Kulturinstitutionen wie den Stadttheatern sehen sie in Sachen Diversität und Reflektion Reformbedarf.

Beiträge

  • Josef Bierbichlers «Mittelreich» als «Schwarzkopie»

    Schwarzkopie: Wenn das Theater plötzlich neben sich steht

    Für die einen ist es die politischste Inszenierung der Spielzeit, für andere ist das Projekt (künstlerisch) gescheitert: An den Münchner Kammerspielen hat die afrodeutsche Regisseurin Anta Helena Recke eine bestehende Inszenierung bis ins Detail kopiert, aber mit Schwarzen Schauspielern und Schauspielerinnen besetzt.

    Diese «Schwarzkopie» hat heftige Diskussionen ausgelöst über institutionellen und strukturellen Rassismus und die Frage, weshalb eigentlich die meisten Schauspielensembles homogen weiss sind.

    Dagmar Walser

  • ulia Lemmle ist Performerin und gibt Seminare zu «Critical Whiteness».

    «Wir müssen uns der eigenen Privilegien bewusst werden»

    Julia Lemmle ist Performerin und gibt Seminare zu «Critical Whiteness». Weisssein und Rassismus gehören für sie zusammen. In ihren Workshops geht es darum, sich des eigenen Weissseins und den damit verbundenen Privilegien bewusst zu werden.

    Was bringt es, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen? Aber auch: Was bringt es, sich nicht mit Rassismus auseinanderzusetzen?

    Im Gespräch sagt Julia Lemmle, weshalb Abwehr, Schuldgefühle und Scham auf individueller, gesellschaftlicher und institutioneller Ebene wirken.

    Dagmar Walser

  • Seit vier Jahren lebt Ntando Cele in der Schweiz und ist Teil der Schweizer Theaterszene geworden.

    «Black off»: Die südafrikanische Performerin Ntando Cele

    Angefangen hat es, als die Schauspielerin Ntando Cele vor sechs Jahren nach Europa kam und in ihrer ersten Performance über ihre Erfahrungen als Schwarze Frau berichtete.

    Seit vier Jahren lebt Ntando Cele in der Schweiz und ist Teil der Schweizer Theaterszene geworden. Der Traum vom Auftritt auf der grossen Bühne allerdings hat sich noch nicht erfüllt, dafür hält die Performerin uns – Weissen – in ihrer aktuellen Arbeit den Spiegel vor.

    Dagmar Walser

Autor/in: Dagmar Walser, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Michael Sennhauser