Das Dazwischen in der Dichte

  • Montag, 13. April 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 13. April 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 13. April 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Zeichen der schweizerischen Raumplanung stehen auf Verdichtung. Politisch ist das kaum umstritten. Doch, was einfach klingt, ist in der Praxis schwierig umzusetzen.

Fachleute suchen nach Ansätzen, qualitätsvoll zu verdichten. Dabei werden das «Dazwischen» der Raum zwischen Trottoir und Haustür und der öffentliche Raum immer wichtiger.

Es war einmal ein Lattenzaun mit Zwischenraum, hindurchzuschaun. Ein Architekt, der dieses sah, stand eines Abends plötzlich da und nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein großes Haus. Christian Morgensterns Gedicht erinnert an das, was heute im Rahmen der Verdichtung im städtischen Umfeld immer wieder geschieht: das Dazwischen und der öffentliche Raum werden beschnitten. Dabei sind es gerade diese Lebensräume, die die Voraussetzung sind, dass die Bevölkerung ein Quartier schätzt. Dabei spielt auch die Atmosphäre eine entscheidende Rolle. Karin Salm macht sich auf die Suche nach diesem Dazwischen in seinen Qualitäten: im Treppenhaus der neuen, verdichteten Siedlung Rautistrasse und an der Kanzleistrasse in Zürich.

Beiträge

  • Im Laubengang und auf Treppe dürfen keine Schuhe stehen, findet der Hausabwart.

    Schuhe und Blumen sind auf dem Laubengang nicht erlaubt

    Der Raum zwischen der Trottoirkante zur Wohnungstür verbindet den öffentlichen und den privaten Raum, und er gehört allen Bewohnerinnen und Bewohnern. Dieses Dazwischen ist Bruno Hohls Arbeitsplatz. Bruno Hohl ist Hauswart in den Siedlungen Farbhof und Rautistrasse der Stadt Zürich.

    Als Hauswart ist er Kontakt mit den Mietern und ist unter anderem dafür besorgt, dass Treppenhaus und Laubengänge nicht mit Schuhen und Kinderwägen vollgestellt sind.

    Karin Salm

  • Vorgärten schaffen Atmosphäre: Hier an der Scheuchzerstrasse.

    Die nutzlosen Vorgärten schaffen Atmosphäre

    «Balkone verzahnen den öffentlichen Raum mit der privaten Wohnung», sagt der Architekt und Künstler Eberhard Tröger. In Zürich, Wien, München und Berlin hat er untersucht, wie die bauliche Dichte und Atmosphäre zusammenhängen und wie die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Quartier schätzen.

    Trögers Fazit: das Dazwischen prägt die Stimmung. Nach Spaziergängen durch Zürich bleibt Eberhard Tröger an der Scheuchzerstrasse stehen und zeigt auf die winzigen Vorgärten. «Es ist paradox: als Gärten sind sie nicht wirklich nutzbar, aber sie sind ein Atmosphäre-Generator fürs ganze Quartier.»

    Karin Salm

  • Wenn die Gebäude dich aneinander sind, ist die Gestaltung des gemeinsamen Raums wichtig.

    Dichte, Zentralität und Urbanität hängen zusammen

    Die Raumplanung verlangt dichte Wohnsiedlungen. Brigit Wehrli-Schindler, Soziologin und ehemalige Direktorin der «Stadtentwicklung» Zürich ist einverstanden.

    Trotzdem fragt sie skeptisch, ob diese Forderung auch für kleinere Agglomerationsgemeinden richtig sei, da Dichte mit Zentralität und Urbanität zusammen hänge. Im Gespräch plädiert sie dafür, dass in dichten Wohnsiedlungen nicht in erster Linie die privaten Wohnungen optimiert werden, sondern dass die gemeinschaftlichen Räume dazwischen gross und auch gut gestaltet sind.

    Karin Salm

Autor/in: Karin Salm, Redaktion: Hansjörg Schultz