Das Gespenst des Abstiegs

  • Dienstag, 4. Juli 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 4. Juli 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 4. Juli 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Zeit des Aufschwungs ist vorbei, sozialer Aufstieg wird seltener. Besonders der untere Mittelstand fürchtet um seine Zukunft. «Kontext» ist dem Gespenst des Abstiegs auf der Spur.

Ein Drittel der Gesellschaft werde abgehängt, sagt der Soziologe Oliver Nachtwey. In seinem Buch «Die Abstiegsgesellschaft» vergleicht er die Gesellschaft mit einer Rolltreppe, die für wenige nach oben, für viele aber nach unten fährt.

Anders als in Deutschland sei die soziale Mobilität in der Schweiz in den letzten hundert Jahren insgesamt stabil geblieben, sagt die Soziologin Julie Falcon (Universität Lausanne). Weshalb? Doch Menschen über 50 droht auch hier der Abstieg.

Der Kanton Aargau hat daher die Kampagne «Potenzial 50 plus» ins Leben gerufen. Sie soll auf die Erfahrung und das Know-How der über 50-jährigen aufmerksam machen.

Buchhinweis:
Oliver Nachtwey: Die Abstiegsgesellschaft - Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne. edition suhrkamp

Beiträge

  • Die Stellensuche für über 50-jährige stellt sich oft als schwierig heraus.

    Ü50 und auf Stellensuche

    Der letzte Arbeitstag liegt schon über 365 Tage zurück - wo bleibt die neue Stelle? «Ich dachte nicht, dass es so schwer sein würde, wieder eine Stelle zu finden», erzählt eine Betroffene. Im Gespräch kommen zwei über 50-jährige Stellensuchende zu Wort.

    Denn: Wer über 50 ist und seine Stelle verliert, hat grosse Schwierigkeiten, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen.

    Laut Urs Schmid, vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, ist es aber keine unlösbare Aufgabe, Betroffenen zu helfen. Deshalb hat er für den Kanton Aargau die Kampagne «Potenzial 50 plus» entwickelt.

    Anna Fierz

  • Immer noch bestimmt das Milieu und der Bildungsgrad der Eltern mit, welche Wege jemandem offen stehen.

    Treten an Ort auf der sozialen Leiter

    Trotz der strukturellen Entwicklung von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und der zahlreichen Reformen im Bildungswesen seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es in der Schweiz in den unteren Klassen kaum Möglichkeiten für einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg.

    Nach wie vor bestimmen das Herkunftsmilieu und der Bildungsgrad der Eltern, in welcher sozialen Schicht sich ihre Kinder positionieren können.

    Sabine Bitter

  • Eine Rolltreppe, die für viele nach unten fährt – so beschreibt Oliver Nachtwey «Die Abstiegsgesellschaft».

    «Die Abstiegsgesellschaft»

    Die kollektive Angst vor dem sozialen Abstieg sei in Deutschland allgegenwärtig, schreibt der deutsche Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Oliver Nachtwey in seinem Buch «Die Abstiegsgesellschaft».

    Der untere Mittelstand und - noch stärker - die Unterschicht seien von der Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse arg getroffen. Soziale Unsicherheit hat den einigermassen auf Ausgleich bedachten Nachkriegskonsens ersetzt. Und auch erfolgreiche Bildungsbiografien garantierten keineswegs mehr den beruflichen Aufstieg. Ein Gespräch.

    Raphael Zehnder

Autor/in: Anna Fierz, Sabine Bitter, Raphael Zehnder, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Mariel Kreis