Das Vulgäre: Reiz oder Makel?

  • Dienstag, 6. Dezember 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 6. Dezember 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 6. Dezember 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Vulgär – das Wort löst starke Emotionen aus, von Faszination, über Kopfschütteln bis Schrecken. Das Vulgäre finden wir in Zusammenhang mit Sex, Reichtum und Kleidung. Und natürlich der Sprache. Wir beleuchten das Schreckgespenst von vielen Seiten. Auch von seiner überraschend guten.

Kaum etwas ist so herabwürdigend, wie wenn man der Vulgarität bezichtigt wird. Das Wort verletzt, brandmarkt einen als nicht dazugehörig. Wer vulgär ist, hat die Regeln des Spiels nicht begriffen. Des Spiels um Akzeptanz, Anerkennung und Autorität in der Gesellschaft.

Doch es gibt durchaus Gruppen, die mit dem Vulgären liebäugeln. Denn Veränderung und Fortschritt gehen mit dem Vulgären einher. Wir nähern uns dem Begriff psychologisch an und betrachten das Vulgäre in der Mode in einer Ausstellung in London. Mit dem Vulgären begeben wir uns auf eine philosophisch-literarische Spurensuche und ergründen, wie andere Sprachen das Vulgäre gebrauchen.

Buchhinweis:
Hans-Martin Gauger: «Das Feuchte und das Schmutzige. Kleine Linguistik der vulgären Sprache», München: C.H. Beck, 2012.

Ausstellung «The Vulgar. Fashion Redefined» Im Barbican London. Noch bis 5. Februar 2017.

Beiträge

  • Das Vulgäre ermöglicht gesellschaftlichen Aufstieg

    Vulgär - was für ein hässliches Wort! Es ist ausschliessend, herabwürdigend und diskriminierend. Ehemals bezeichnete «vulgaris» das gemeine Volk. Bald wurde es zum Schimpfwort für alles, was als abstossend, geschmacklos und unkultiviert galt.

    Wenn es um Vergnügen geht, lauert das Vulgäre um die Ecke. Deswegen gebrauchen wir das Wort oft in Verbindung mit Sex und Reichtum. Und Körpern. Doch das Vulgäre hat auch seine guten Seiten. Der britische Psychologe und Autor Adam Phillips hat sich eingehend mit dem Vulgären in der Gesellschaft auseinandergesetzt. Eine Annäherung an den Begriff.

    Noëmi Gradwohl

  • Phallische Elefantenröcke und eine Tasche als falschen Po

    Das Vulgäre ist eine bewegliche Grösse. Auch in der Mode. Was als schlechter Geschmack abgetan wird, kann kurz darauf das Höchste im Modehimmel bedeuten. Die Ausstellung «The Vulgar. Fashion Redefined» im Barbican in London untersucht das Vulgäre durch fünf Jahrhunderte.

    Die Schau stellt historische Kleidung und heutige Designkreationen einander gegenüber. Sie zeigt auf, wie Mode mit Geschmack bricht, nur um ihn weiterzudenken, und Neues entstehen zu lassen. Eine Begehung vor Ort mit Judith Clark, Professorin für Mode und Museumskunde.

    Noëmi Gradwohl

  • «Schmutzig, wenn man darüber redet»

    Das Vulgäre ist ein Begriff, über den Dichter und Denkerinnen immer wieder nachgedacht haben. Etwas als «vulgär» zu bezeichnen ist ein Vorschlaghammer-Argument im Kampf der ästhetischen Konzepte und der Weltbilder.

    Ein kleiner Streifzug durch die Jahrhunderte von Cicero bis zu heutigen Fernsehshows.

    Raphael Zehnder

  • Von «Schafseckeln» und «Fuck»

    Besonders gut sicht- und vor allem hörbar ist Vulgarität in der Sprache. Kraftausdrücke, Beschimpfungen und Beleidigungen, Drohungen, Ausdrücke des Missfallens und Unwillens und Imponiergehabe. Solche Worte bilden verschiedene Sprachen auf unterschiedliche Art.

    Hans-Martin Gauger, emeritierter Professor für Romanische Sprachwissenschaft an der Universität Freiburg im Breisgau, hat eine reiche Materialsammlung zum Thema veröffentlicht: «Das Feuchte und das Schmutzige. Kleine Linguistik der vulgären Sprache».

    Raphael Zehnder

Autor/in: Noëmi Gradwohl und Raphael Zehnder, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Dagmar Walser