Der gescheiterte Drogenkrieg und seine neuen Alternativen

  • Mittwoch, 11. Mai 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 11. Mai 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 11. Mai 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Er hat Milliarden verschlungen, unzählige Menschenleben gekostet, Politik korrumpiert und Menschenrechte verletzt: «Der Krieg gegen Drogen». Heute sind in der Drogenpolitik neue Modelle der Entkriminalisierung gefordert. Kontext schaut auf die Massnahmen in Uruguay, in Portugal und in der Schweiz.

Anfang der 70er-Jahre erklärte US-Präsident Richard Nixon den «Krieg gegen Drogen». Fortan stand Lateinamerika im Fokus von Repression und Gewalt. Doch der Krieg gegen die Drogen ist gescheitert. Zu diesem Schluss kommen selbst konservative Politiker. Zugleich boomt das illegale Geschäft und die Drogenkartelle sind mächtiger denn je. Weltweites Aufsehen erregte deshalb Uruguay: Das kleine Land war der erste Staat auf der Welt, der 2013 Cannabis vollständig legalisierte: vom Besitz bis zum Vertrieb.

Fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat auch Portugal bereits vor 15 Jahren einen anderen Weg eingeschlagen und eines der liberalsten Drogengesetze der Europäischen Union erlassen. Abhängige gelten nicht mehr als kriminell, sondern als krank.

Den Schritt zur Medikalisierung zeichnet auch die Schweizer Drogenpolitik aus. Allem voran: das vielbeachtete Programm der Methadonabgabe. Doch mit der Substitution ist es nicht getan, meint der Drogenexperte Sandro Cattacin, und fordert gesellschaftspolitischen Handlungsbedarf.


Beiträge

  • In Uruguay ist der Anbau und der Besitz von Cannabis legal. Die Droge wird jedoch stark reguliert und kontrolliert.

    Der Joint aus Uruguays Apotheken

    Im August 2013 kündigt Uruguays Präsident Pepe Mujica das Cannabis-Projekt an und im Dezember 2013 stimmte der uruguayische Kongress dem neuen Gesetz zu. Dieses sieht drei Zugänge vor: 1. Den Anbau von bis zu sechs Pflanzen für den Eigengebrauch. 2. Cannabis-Clubs. 3.

    Den Kauf von 40 Gramm/Monat in der Apotheke. Alle drei Zugänge verlangen nach einer Registrierung beim Institut für Regulierung und Kontrolle von Cannabis.

    Karl-Ludolf Hübener

  • Portugal hat eines der liberalsten Drogengesezte in Europa.

    Portugals Entkriminalisierung des Drogenkonsums

    An der Lissaboner Lusófana Universität beschäftigt sich Carlos Poiares, Professor für Rechtspsychologie, seit Jahrzehnten mit den Ursachen für Drogenkonsum: «Die Idee eines Kriegs gegen Drogen ist eine dumme Idee. Diese Militärsprache ergibt hier keinen Sinn.

    Es geht nicht darum, einen Feind zu bekämpfen. Das Problem des Drogenkonsums existiert, weil in unserer Gesellschaft sozioökonomische Aspekte die Sucht begünstigen.» Warum auch immer Menschen in Portugal in die Drogensucht fallen: Sie gelten heute gemeinhin als krank, nicht mehr als kriminell.

    Johannes Nichelmann

  • Die Schweiz war mit ihrer Viersäulenpolitik vorbildlich, darf sich nun aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

    Herausforderungen für die Schweizer Drogenpolitik

    Sandro Cattacin, Mitglied der neuen Eidgenössischen Kommission für Suchtfragen und Professor für Soziologie, stellt die Schweizer Drogenpoltitik auf den Prüfstand.

    Im Gespräch mit Emanuel Tandler erläutert er, warum sich die Schweiz nicht mehr auf den anfänglichen «Lorbeeren» der Viersäulenpolitik ausruhen kann, sondern ihr spezifisches Modell weiterentwickeln muss. Welche Diskurse fernab von Verboten, Bevormundung und Einschüchterung in einer Gesellschaft «mit» Drogen vorhanden sein können: darüber gibt der Kenner der Materie Auskunft.

    Emanuel Tandler

Autor/in: Karl-Ludolf Hübener, Johannes Nichelmann, Emanuel Tandler, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Noëmi Gradwohl