Der weibliche Kanon? Musikheldinnen von Klassik bis Popmusik

  • Montag, 25. Mai 2020, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 25. Mai 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 25. Mai 2020, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Ob Mozart, Bach oder Beethoven. Männliche Komponisten prägen den Kanon der klassischen Musikgeschichte. Doch wie sieht es mit den Komponistinnen aus, mit Isabella Leonarda oder Rebecca Saunders? «Kontext» widmet sich den fehlenden Frauen im musikwissenschaftlichen Kanon und im Konzertbetrieb.

Wolfgang Amadeus, Johann Sebastian, Ludwig: Die passenden Nachnamen kennt jeder. Aber was ist mit Emilie, Mel, Rebecca?

Weder in Schulbüchern noch in den Konzerthallen sind sie besonders präsent. Auf den Spielplänen der klassischen Konzertsäle findet man sie – wenn überhaupt – selten. Partituren, Fachliteratur? Mangelware. Aber viele Komponistinnen und Musikerinnen prägten die Welt der klassischen Musik. Überwanden Hindernisse und gesellschaftliche Zwänge, um kreativ arbeiten und veröffentlichen zu können. Einige waren zu Lebzeiten sogar sehr bekannt, gerieten nach Ihrem Tod aber in Vergessenheit.

Auch in der Pop- und Rockmusik müssen Frauen für ihre Sichtbarkeit kämpfen. Trotz Megastars wie Beyoncé oder Lady Gaga. Auch in der Region sind Musikerinnen in Bands und auf der Bühne untervertreten. Ein Blick auf das Line-up vieler Festivals zeigt: Männer stehen auf der Bühne, Frauen im Publikum. Die Headliner sind Männer, Machos mit Gitarren.

«Kontext» stellt verschiedene Formen einer weiblichen Musikgeschichte vor – vom Buch bis zum Film. Und wir fragen: Warum werden Komponistinnen und Musikerinnen bis heute selten in den sogenannten Kanon aufgenommen?

Beiträge

  • «Komponistinnen»: Eine filmische und musikalische Spurensuche

    Als die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh eines Tages feststellt, dass ihr Repertoire nur aus Musik von Männern besteht, beginnt sie nach Werken von Komponistinnen zu suchen.

    Tim van Beveren hat ihre Entdeckungsreise quer durch Europa im Rahmen eines Dokumentarfilms festgehalten: In Archiven, Bibliotheken und auf Dachböden findet Steckeweh Musikschätze von 1800 Komponistinnen von Mel Bonis über Fanny Hensel bis Emilie Mayer.

    Sie fragt sich: Welche Widerstände mussten diese Frauen überwinden? Und warum werden ihre Werke bis heute so selten aufgeführt?

    Elisabeth Baureithel

  • Ein Verlag macht Furore – mit komponierenden Frauen

    Ein Verlag, der ausschliesslich Musik von Frauen publiziert? Was bei Männern die Regel ist – nämlich Verlagsprogramme zu dominieren –, ist bei Frauen die Ausnahme.

    Der Furore-Verlag kehrt dieses Prinzip um. Seit über dreissig Jahren bringt er ausschliesslich Komponistinnen heraus. Inzwischen sind es über 1200 Werke von mehr als 150 musikschaffenden Frauen. Doch bis zur Gleichberechtigung ist der Weg noch lange, findet Verlagsgründerin Renate Matthei: Ein Gespräch über den «klassischen» Kanon, männliche Gehässigkeiten und den «weiblichen Beethoven».

    Silvan Moosmüller

  • Streifzug statt Kanon: «These Girls»

    Wie ein «Kanon» aussieht, hängt davon ab, wer ihn schreibt. Und das sind auch in der Pop- und Rockmusik vorwiegend Männer, die in ihren Hitlisten grosszügig über Edith Piaf, Madonna und Lady Gaga hinwegsehen. «These Girls» ist ein lockerer Gegenentwurf aus feministischer Perspektive.

    Dazu hat die Musikjournalistin Juliane Streich fast 100 Autor*innen zusammengerufen, die in kurzen Porträts ihre Lieblingsmusikerinnen vorstellen. Von den 50er-Jahren bis heute und quer durch alle Genres durchstreift das Buch die Musikgeschichte und zeigt, wie vielfältig die Frau* in der Musik sein kann.

    Silvan Moosmüller

Autor/in: Elisabeth Baureithel, Silvan Moosmüller, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Raphael Zehnder