Der Weltuntergang: Uralter Albtraum vieler Kulturen

  • Dienstag, 17. Mai 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 17. Mai 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 17. Mai 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

«Die Maya wussten davon. Und die Bibel: Das ist das Ende der Welt, meine Freunde.. Die Welt wird ein Ende finden.. Daddy, was war das?» Krawumm! Choräle. Im Kino, etwa bei Roland Emmerich, geht die Welt effektvoll unter. Die Menschheit fürchtet sich von Alters her vor dem Ende aller Dinge.

«Kontext» spürt heute einer uralten Furcht des Homo sapiens nach: der Angst vor dem Weltuntergang. Er ist ein Dauerthema in Literatur und Kino, sei es in Form von Riesenflutwellen und Monstererdbeben, sei es in Form von Lord Byrons Gedicht «Darkness». Der Weltuntergang ist ein wichtiges Ereignis im Christentum, denn dieses lässt sich nur verstehen, wenn man es vom Ende her denkt, vom Jüngsten Gericht her. Er ist eine reale Gefahr, denn seit der Erfindung der Atombombe könnte die Menschheit sich selbst auslöschen. Und in Tat und Wahrheit trifft er tatsächlich ein: Wenn wir sterben, endet unsere materielle Welt.

Beiträge

  • Roland Emmerich lässt die Welt alle paar Jahre untergehen.

    Weltuntergang in Literatur und Kino

    Es sei kein Zufall, dass gerade die christlich-fundamentalistische Kultur der USA die Untergangs-Thriller zu Kino-Kassenschlagern mache. Das sagt der Frankfurter Historiker Johannes Fried, Autor des Buches «Dies Irae - Eine Geschichte des Weltuntergangs».

    Die Faszination an diesem Thema liege beruhe wohl auf «einer Mischung aus Religion, Glauben, Zukunftswerwartung und Lust».

    Günter Kaindlstorfer

  • Beim Jüngsten Gericht wird über die Menschheit gerichtet.

    Weltuntergang und Religion

    Laut dem zyklischen Weltverständnis folgt auf einen Untergang stets ein Neubeginn. Das gilt für polytheistische Vorstellungen genauso wie für den altgermanischen Ragnarök-Mythos vom Ende der Götterwelt in einem Weltenbrand.

    Das Christentum und das Judentum dagegen verstehen die Geschichte nicht als Wiederholung, sondern als auf ein Ende hin gerichtet. Die Welt wird enden mit einem göttlichen Gericht.

    Günter Kaindlstorfer

  • Absolute Sicherheit gibt es nicht. Auch, weil wir die Möglichkeit besitzen, uns selbst zu zerstören.

    Reale Gefahr

    Seit der Mensch die Atombombe erfand, könnte er seine Spezies ausradieren. Doch ein nukleares Armageddon ist bloss ein Weltuntergangsszenario unter vielen. Klimakatastrophe, Supervulkanismus, der Einschlag eines Riesenmeteoriten... theoretisch wäre vieles möglich.

    «Es gibt keine Sicherheit, und wir sind doch immer in der Illusion, dass es sicherer und besser werden könnte», sagt der Wiener Risikoforscher Wolfgang Liebert.

    Günter Kaindlstorfer

  • Wenn wir sterben, geht unsere Welt unter. Das macht die Faszination des Themas aus.

    Und die Psyche?

    Für den Psychoanalytiker Alfred Pritz hat die Furcht vor dem Weltende mindestens so viel mit dem menschlichen Unbewussten zu tun wie mit realen Gefahren, denn der Weltuntergang treffe tatsächlich ein: «Wenn wir sterben, geht unsere Welt unter. Das macht die Faszination des Themas aus.»

    Günter Kaindlstorfer

Autor/in: Günter Kaindlstorfer, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Noëmi Gradwohl