Die heimliche Verbündete – Musik im US-Wahlkampf

  • Montag, 30. Mai 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 30. Mai 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 30. Mai 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Im US-Präsidentschaftswahlkampf ist sie immer dabei: die Musik. Sie spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle – seit dem ersten Präsidenten George Washington. Welche Botschaften vermittelt die Musik und wie hat sich die Funktion der so genannten „Campaign Music zwischen 1789 und heute verändert?

Die Musik wird heute im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf so vielfältig eingesetzt wie nie zuvor: Sie ist präsent auf den Wahlveranstaltungen, in den TV-Spots oder im Internet. War die Musik im 19. Jahrhundert vor allem Mittel, um die Wahlversprechen des Kandidaten schneller und effektiver zu verbreiten als die Zeitung, ist sie heute vor allem wichtig für das Image der Kandidierenden.

Klar ist: die «Campaign Music» war und ist immer ein Abbild des Zeitgeists, des technischen Fortschritts und der Veränderungen des Wahlrechts.

Beiträge

  • Mit «Campaign Songs» die sich reimten und bekannte Melodien verwendeten, wurde der Namer der Kandidaten bekannt gemacht.

    1789-1916: Die gesungene Kampagne

    Die frühen «Campaign Songs» funktionieren alle nach dem gleichen Muster: Ein in der Gesellschaft verankertes Volkslied bekommt einen neuen Text, der die Kampagnenbotschaft des Präsidentschaftskandidaten und dessen positive Charaktereigenschaften verbreitet.

    Dank der bekannten Melodie verankern sich sowohl Name wie auch Wahlversprechen in den Köpfen der Wählerschaft besser als Ansprachen.

    Zudem verbreiten die Campaign Songs die Botschaften schneller und effektiver als es die Zeitung kann und schliessen auch die Bevölkerung ein, die nicht lesen kann.

    Mariel Kreis

  • Das Radio und Fernsehen machte aus Musikern Stars. Nicht alle liesen sich für politische Zwecke einspannen.

    1920-1984: Die Musik in den Massenmedien

    Das Radio schafft die ersten nationalen Stars und die Kampagnen machen sich dies zunutze: bekannten Künstlerinnen und Künstler präsentieren die Songs der Kandidaten. Während des Zweiten Weltkriegs wird es still um die «Campaign Music» – feiern in Krisenzeiten kommt nicht gut an.

    In den 1950er-Jahren versteht die Kampagne den Präsidentschaftskandidaten als Produkt, das angepriesen werden muss – die Musik findet in TV- und Radio-Spots eine neue Funktion. Zudem merkt die Politik durch die wichtige Funktion der Protestmusik im Vietnamkrieg: populäre Musik kann die politische Meinung ändern.

    Mariel Kreis

  • Der Kreis schliesst sich, die  «Singing Campaign» ist in diesem Wahlkampf allgegenwärtig.

    1992-2008: Die Musik in den neuen Medien

    Das Internet demokratisiert den Wahlkampf: jeder kann über Plattformen wie Youtube seine eigenen Wahlsongs veröffentlichen, auch kritisch oder satirisch.

    Die Wahlkampagnen verlieren dadurch die Kontrolle über die Musik. Doch diese gesungenen Botschaften verbreiten sich in der Bevölkerung wie im 19. Jahrhundert und damit ist der Kreis geschlossen – zur «Singing Campaign».

    Mariel Kreis

Autor/in: Mariel Kreis, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Christoph Keller