Die langen Schatten von Srebrenica

  • Freitag, 10. Juli 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 10. Juli 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 10. Juli 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

1991 begannen die Jugoslawienkriege. Vor zwanzig Jahren, am 11. Juli 1995, gipfelte der Bosnienkrieg im Massaker von Srebrenica, dem 8000 Zivilisten und bosnische Soldaten zum Opfer fielen.

Eigentlich war die kleine Stadt Srebrenica eine sogenannte Sicherheitszone der Vereinten Nationen unter dem Protektorat von mehr als 300 niederländischen Blauhelmsoldaten. Doch der General der bosnisch-serbischen Truppen, Ratko Mladic, besetzte die Enklave Srebrenica, separierte die Männer von den Frauen und liess sämtliche Männer im Schnellverfahren hinrichten.

Die holländischen Soldaten hatten keinen Schiessbefehl und waren gezwungen, tatenlos zuzuschauen. Einer von ihnen, seit 20 Jahren schwer traumatisiert, erzählt, wie er seither nie mehr richtig auf die Beine kam.

Die Zürcher Historikerin Nada Boskovska ordnet das Geschehen vom Juli 1995 geschichtlich ein, und ein Ankläger am Jugoslawien-Tribunal in Den Haag gibt Auskunft über das Verfahren gegen die Hauptschuldigen.

Beiträge

  • Die Spuren des Massakers: Ein Überlebender besucht die Gräber der Opfer von Srebrenica.

    Der «Schlächter des Balkans» und der Genozid

    General Ratko Mladic, der Oberbefehlshaber der Armee der bosnischen Serben, hatte auf seinem Siegeszug durch Bosnien-Herzegowina schon mehrere Städte erobert. Dabei setzte er ethnische Säuberungen genauso unerbittlich ein wie die Vergewaltigung von muslimischen Frauen.

    Nachdem er die UN-Sicherheitszone Srebrenica am 11. Juli fast kampflos eingenommen hatte, liess er die 8000 männlichen Bewohner der kleinen Stadt im Schnellverfahren hinrichten. Das war ein klarer Fall von Genozid, urteilt Nada Boskovska, Professorin für osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich.

    Hansjörg Schultz

  • Srebrenica begleitet ihn bis heute: Ex-Blauhelmsoldat Boudwijn Kok.

    Porträt eines Blauhelmsoldaen: «Wir wurden im Stich gelassen»

    Noch heute fühlt er sich verraten, und es vergeht kein Tag, ohne dass der Niederländer Boudwijn Kok an Bosnien und an Srebrenica denkt.

    Bis heute will der ehemalige Blauhelmsoldat eine Antwort auf die eine brennende Frage: Weshalb hat die Welt bei diesem Völkermord tatenlos zugesehen?

    Elsbeth Gugger

  • Viele offene Fragen: Erst kürzlich wurden 136 Opfer voin Srebrenica identifiziert.

    Srebrenica und die Mitschuld der UNO

    Als die grösste Schande in der Geschichte der Vereinten Nationen hat der spätere UNO-Generalsekretär Kofi Anan das Massaker von Srebrenica bezeichnet.

    Die UNO hatte der Bevölkerung in der Enklave zugesichert, dass sie unter besonderem Schutz stehe und die muslimischen Bosnier weitgehend entwaffnet.

    Als dann die serbischen Bosnier am 11. Juli 1995 angriffen und das Massaker begingen, mussten auch die niederländischen Blauhelmsoldaten hilflos zuschauen. Eine Klage der «Mütter von Srebrenica» gegen die UNO ist unter Hinweis auf deren Immunität abgeschmettert worden.

    Hansjörg Schultz

  • Steht in Den Haag vor Gericht: Ratko Mladic.

    Jugoslawien-Tribunal: Prozesse noch im Gang

    Um die auf dem Balkan begangenen Verbrechen zu ahnden und den Schuldigen den Prozess zu machen, wurde 1993 das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag eingerichtet. Hier kamen in den letzten 20 Jahren 161 Personen vor Gericht. Die Hälfte davon wurde zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

    Die beiden wichtigsten Verfahren sind noch am Laufen, der Prozess gegen den bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic und jener gegen seinen General Ratko Mladic. Beide müssen sich wegen Völkermord in Srebrenica verantworten. Ein Gespräch mit dem Chefankläger Serge Brammertz.

    Elsbeth Gugger

Autor/in: Elsbeth Gugger und Hansjörg Schultz, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Sabine Bitter und Dagmar Walser