Die Literatur und Donald Trump

  • Dienstag, 27. August 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 27. August 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 27. August 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Seit der US-amerikanische Präsident Donald Trump an der Macht ist, ist den beiden satirischen Schriftstellern Gary Shteyngart und Joey Goebel die Satire verleidet. Wenn die Realität zur Satire werde, sagen sie, werde sie sinnlos. Aber sie finden andere Wege, um der Politik Donald Trumps zu begegnen.

Der heute 47-jährige Gary Shteyngart kam in Leningrad zur Welt und emigrierte als Siebenjähriger mit seinen jüdisch-russischen Eltern nach New York. Seit seinem ersten Roman im Jahr 2002 gilt er als scharfsichtiger Beobachter der US-amerikanischen Gesellschaft. Wenn man heutzutage Satire wolle, sagt Shteyngart, brauche man nur den Trump-nahen Fernsehsender «Fox-News» einzustellen – da müsse man nichts dazudichten – es sei so schon lächerlich genug.

Der heute 39-jährige Joey Goebel lebt in Henderson, Kentucky und ist bekannt als Autor, der das Leben in amerikanischen Kleinstädten im Mittleren Westen beschreibt. Goebel hat einen empathischen Blick für seine Figuren, die einsam sind und den Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit suchen. Der bewegten Zeit unter Donald Trump setzt Goebel stille, pointierte Geschichten entgegen. Gerade unter der momentanen Präsidentschaft brauche das Land mehr Zurückhaltung und Gelassenheit, sagt Joey Goebel.

Buchhinweise:
- Gary Shteyngart: Willkommen in Lake Success. Penguin Verlag
- Joey Goebel: Irgendwann wird es gut. Diogenes Verlag

Beiträge

  • Gary Shteyngart: «Wir gehen rückwärts. Und zwar schnell.»

    Gary Shteyngart erläutert, wie er den Zusammenhang zwischen Geld, Macht und Erfolg in den USA sieht – eine Kombination, die Donald Trump in Shteyngarts Augen perfekt zu verkörpern scheint.

    Er beobachtet, wie sich der Umgangston in den USA in den letzten Jahren verändert hat – und sagt: «Der Gedanke, dass diese Art der Kommunikation, die man von kleinen autoritären Staaten kennt, in den USA in nur zwei Jahren alltäglich geworden ist, ist absolut beängstigend. Dieses Land wird keine weiteren vier Jahre überleben, wenn Trump nochmals gewählt wird.»

    Britta Spichiger

  • Shteyngarts Roman: «Willkommen in Lake Success»

    Barry ist ein erfolgreicher Hedgefonds-Manager aus New York, der sich gerne in seinem scheinbar perfekten, glamourösen Leben sonnt – bis die Börsenaufsicht auf ihn aufmerksam wird und sein Sohn mit Autismus diagnostiziert wird.

    Barry flüchtet mit einem Greyhound-Bus und lernt auf einem Roadtrip quer durch die USA das «wirkliche» Amerika kennen. Nur: leider lernt er überhaupt nichts – er sieht sich als grossen Menschenfreund, ist tatsächlich aber ein grosser Narzisst.

    Britta Spichiger

  • Joey Goebel und sein Erzählband «Irgendwann wird es gut»

    In zehn Kurzgeschichten erzählt Joey Goebel von unterschiedlichen Menschen in einer amerikanischen Kleinstadt.

    Von zwei einsamen Männern, zum Beispiel, die beide für die gleiche Frau schwärmen, von einer Lehrerin, die ihren Schülern anbietet, sie abzuholen, falls sie irgendwo betrunken stranden – oder einem geschiedenen Vater, der seinen kleinen Sohn vermisst.

    Der intimste menschliche Kontakt in Goebels Geschichten ist ein Händedruck. Und hier liegt das verborgen, was Goebel Donald Trump entgegensetzt: ohne Pathos, zeigt er seinen Figuren gegenüber Aufmerksamkeit, Zuwendung und Genauigkeit.

    Britta Spichiger

Autor/in: Britta Spichiger, Moderation: Norbert Bischofberger, Redaktion: Theresa Beyer