Die Tücken der Transparenz

  • Montag, 25. Juli 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 25. Juli 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 25. Juli 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Nichts ist leichter als in einer Krise Transparenz zu fordern. Machtmissbrauch, Korruption, Betrug – für jedes Problem scheint die Forderung nach Transparenz der erste Schritt auf dem Weg zur Lösung. Dabei ist Transparenz häufig nicht mehr als ein Versprechen – mit einer tückischen Dynamik.

Kontext analysiert den Begriff und seinen inflationären Gebrauch mit dem Medientheoretiker Manfred Schneider und dem Philosophen Emmanuel Alloa. Im Gespräch zeigen die beiden Transparenzforscher auf, was hinter dem Zauberwort steckt: Das scheinbar kritische Werkzeug einer bürgerlichen Öffentlichkeit gegen die Geheimniskrämerei der Mächtigen wird von den Mächtigen zu Propagandazwecken längst selbst benutzt. Und Internetriesen wie Google oder Facebook versprechen zwar, die Welt in hoher Bildauflösung durchschaubar zu machen, verlangen dafür aber im Gegenzug von ihren Userinnen und Usern «mehr Transparenz».

Beiträge

  • VW versuchte Transparenz als Marketingstrategie zu etablieren. Der Abgasskandal machte diese Bemühungen zunichte.

    Transparenz als Marketingstrategie

    2001 eröffnete Europas grösster Automobilhersteller Volkswagen in Dresden die «transparent factory»: Die Marke, die einst mit dem VW-Käfer für die untere Mittelklasse stand, präsentierte hinter grossen Glasfassaden, wie die Luxusautos der Zukunft schon heute gebaut werden.

    Keine dreckige Werkstatt, sondern Ingenieure in weissen Kitteln sollten das blitz-saubere, transparente VW-Image unterstreichen. Seit dem Dieselskandal im Herbst 2015 hat dieses Image Risse bekommen.

    Emanuel Tandler

  • Nach der Überwachung durch den Staat, kommt die Selbstüberwachung durch neue Technologien.

    Nach «Big Brother»: die Normalität der Selbstüberwachung

    Nachdem mit Edward Snowdens Enthüllungen das Ausmass geheimdienstlicher Überwachung deutlich wurde, fordern Politiker von links bis rechts immer öfter einen gläsernen Staat statt gläserne Bürgerinnen und Bürger; in der Hoffnung, so der Dystopie eines Überwachungsstaats à la Orwell entgegenzuwirken.

    Der Technikhistoriker Hannes Mangold von der ETH Zürich aber weist darauf hin: Überwacht wird heute längst nicht mehr nur von oben, vielmehr überwachen wir uns mit digitalen Technologien selbst und freiwillig.

    Emanuel Tandler

Autor/in: Emanuel Tandler, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Ellinor Landmann