Die Ukraine: Zwischen NATO und Grossem Bruder

  • Mittwoch, 24. Januar 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 24. Januar 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 24. Januar 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Am 25. Januar 1918 erklärte sich die Ukraine für unabhängig. Die neue, sowjetische Regierung unter Lenin und Trotzki hatte den ethnischen Minderheiten das Recht auf staatliche Selbständigkeit zugesichert. Tatsächlich hatte die ukrainische Republik nur drei Jahre Bestand.

Die Ukraine und Russland haben gemeinsame Ursprünge: die Kiewer Rus', einen Herrschaftsverband am Handelsweg von der Ostsee zum Schwarzen Meer, der sich im 9. Jahrhundert bildete. Über die Jahrhunderte rückten Russland und das, was heute die Ukraine ist, mal näher zusammen, mal weiter auseinander.

Der bewaffnete Konflikt zwischen den beiden Staaten, der seit 2014 besteht, sei im historischen Kräftespiel nicht angelegt gewesen, sagt der Osteuropahistoriker Andreas Kappeler.

«Kontext» zeichnet das ukrainisch-russische Verhältnis über die Jahrhunderte nach.

Beiträge

  • In einer Umfrage sagten nur 14 Prozent der befragten Ukrainerinnen und Ukrainer, ihr Land entwickle sich in die richtige Richtung.

    Stimmen aus der Bevölkerung

    In einer Umfrage sagten nur 14 Prozent der befragten Ukrainerinnen und Ukrainer, ihr Land entwickle sich in die richtige Richtung. Vaterland und Armee geniessen grosses Vertrauen, die Politik nicht.

    «Der grosse Bruder» im Osten, so ein weiteres Umfrageergebnis, habe sich nur selten als Freund erwiesen.

    Hermann Krause

  • Portrait von Wladimir Iljitsch Lenin 1918

    Von den Anfängen bis zur Russischen Revolution

    Von den gemeinsamen Ursprüngen im 9. Jahrhundert bis zur Russischen Revolution war das Verhältnis des Gebiets, das heute die Ukraine ist, und Russlands ständig im Wandel. Mal orientierte man sich stärker am Westen, mal war der «grosse Bruder» als Einfluss stärker.

    Ein Gespräch mit dem Osteuropa-Historiker Andreas Kappeler (Universität Wien).

    Raphael Zehnder

  • Erst Gorbatschows Perestroika ermöglichte ab 1985 eine offenere Debatte.

    Enttäuschte Hoffnungen

    Vor hundert Jahren erklärte sich die Ukraine für unabhängig. Wir zeichnen nach, wie es dazu kam und wie die Ukraine entgegen den Beteuerungen der Bolschewiki bereits nach drei Jahren in die Sowjetunion zurückgezwungen wurde.

    Der stalinistische Terror, die grosse Hungersnot von 1932/33 und der Zweite Weltkrieg verhinderten den Fortbestand der Ukraine als selbständiges Land. Die kulturelle Autonomie der Ukraine wurde von der Zentralmacht jahrzehntelang eingeschränkt. Erst Gorbatschows Perestroika ermöglichte ab 1985 eine offenere Debatte.

    Winfried Roth

  • Ukrainische Demonstraten im Frühjahr 2014.

    Die postsowjetische Zeit

    Bei der neuerlichen Unabhängigkeitserklärung im Dezember 1991 war nicht absehbar, dass die ukrainische Eigenstaatlichkeit zum Problem werden könnte.

    Geändert hat sich das im November 2013, als es in der Ukraine zu Massenprotesten kam, weil die Ukraine auf russischen Druck hin ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union nicht unterzeichnen wollte. Als dies im Frühjahr 2014 doch geschah, annektierte Russland die Krim und griff im Donbass ein.

    Der zweite Teil des Gespräches mit dem Osteuropa-Historiker Andreas Kappeler (Universität Wien).

    Raphael Zehnder

  • Russland hat 2014 die Krim annektiert, im Donbass herrscht Krieg.

    Die aktuelle Lage

    100 Jahre nach der ersten Unabhängigkeitserklärung, etwas mehr als 16 Jahre nach der zweiten ist die Lage der Ukraine schwierig.

    Russland hat 2014 die Krim annektiert, im Donbass herrscht Krieg. Das Land kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die polititische Krise ist tief. Korruption und Vetternwirtschaft sind verbreitet.

    Hermann Krause

Autor/in: Raphael Zehnder, Winfried Roth, Hermann Krause, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Raphael Zehnder