Die Volksbühne in Berlin: Eine Ära geht zu Ende

  • Freitag, 7. Oktober 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 7. Oktober 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 7. Oktober 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz steht vor einem Wechsel: Frank Castorf muss nächstes Jahr nach 25 Jahren den Intendantensessel räumen. Sein Nachfolger Chris Dercon soll das Haus neu ausrichten. Was nur eine Personalie sein könnte, erhitzt die Gemüter weit über Berlin hinaus.

Dieser Intendantenwechsel schlägt hohe Wellen: Mit der Einsetzung des belgischen Museumskurators Chris Dercon als neuen Intendanten der Volksbühne wird eine kulturpolitische Weichenstellung versucht, die von vielen kritisiert wird.

Die Volksbühne steht seit Jahrzehnten für ein einzigartiges Theaterexperiment und Frank Castorf ist einer der wichtigsten Theaterregisseure seit den 90er-Jahren. Nun werde es nur noch globalisierte Kuratorenkost geben, erhitzen sich die Kritiker.

In welche Richtung verändert sich die Berliner Theaterlandschaft? Weshalb wird die Debatte um die Zukunft der Volksbühne so erbittert und emotional geführt?

Peter Voegeli beschreibt, wie sich die Gegend um den Rosa-Luxemburg-Platz im ehemaligen Berliner Osten in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Die Volksbühne als politische Trotzburg oder als Gentrifizierungsmotor?

Tobi Müller hat mit Künstlern und Beobachterinnen gesprochen und sagt, weshalb der Streit um die Berliner Volksbühne auch ein Symptom für eine Theaterlandschaft ist, die Mühe mit Veränderungen hat.

Carena Schlewitt, die Direktorin der Kaserne Basel, ist in der DDR aufgewachsen und hat viele Jahre an verschiedenen Theatern in Berlin gearbeitet. Im Gespräch mit Dagmar Walser blickt sie auf die Ära Castorf zurück und erklärt, woher die Aufregung kommt und was der Wechsel bringen kann.

Beiträge

  • Der Rosa-Luxemburg-Platz: links, widerständig, umkämpft

    Die Volksbühne steht nicht zufällig am Rosa-Luxemburg-Platz im Zentrum des Stadtteil Berlin-Mitte: Der Platz ist vielleicht der «ostigste», der widerständigste, der revolutionärste in Berlin mit einer bemerkenswerten Vergangenheit.

    Das Theater wurde als Arbeitertheater gegründet und der Platz war im 2. Weltkrieg heftig umkämpft. Theater und Platz beziehen sich aufeinander und ihre Geschichten sind eng ineinander verwoben. Deutschlandkorrespondent Peter Voegeli über die Volksbühne, den Rosa-Luxemburg-Platz und den Wandel von Berlin-Mitte in den letzten 25 Jahren.

    Peter Voegeli

  • Der Fall Volksbühne: Bericht einer verunsicherten Kunst

    Der Streit um die Berliner Volksbühne sei auch ein Zeichen für eine Theaterlandschaft, die sich schwer tut mit Veränderungen, stellt der Journalist Tobi Müller fest. Für seine Recherche hat er mit Theatermachern und Theaterkritikerinnen in ganz Deutschland gesprochen.

    Er verlässt dabei die eingefahrenen Argumentationmuster Castorf versus Dercon und versucht die überhitzte Diskussion (wieder) auf wesentliche Fragen nach der Zukunft des Theaters zu lenken. Was etwa würde ein möglicher Wechsel an der Volksbühne von einem Ensembletheater zu einem Produktionshaus bedeuten? Nähert sich die Volksbühne damit der freien Szene an?

    Tobi Müller

Autor/in: Peter Voegeli, Tobi Müller, Dagmar Walser, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Dagmar Walser