Drei, zwei, eins: meins!

  • Dienstag, 20. Oktober 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 20. Oktober 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 20. Oktober 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Aneignung ist nicht bloss ein schönes Wort, sondern auch eine der ältesten kreativen Strategien. Aus bestehenden Kunstwerken werden durch Aneignung neue. Und immer öfter auch Streitfälle.

Was früher schlicht Inspiration war, steht heute im Verdacht der Urheberrechtsverletzung. Denn die digitale Praxis des Copy/Paste verschärft die Diskussion um eigene Schöpfungen, fremdes Material und die betrügerische Weiterverwendung in Songs, Bildern und Texten stetig weiter. Aber welches kreative Potential steckt in der Aneignung oder Appropriation? Und wie verändert es sich? Da heute nicht nur kritische Künstlerinnen wie Louise Lawler und Sherrie Levine appropriieren, sondern auch Pop-Grossverdiener wie Katy Perry oder Jay Z,- wenn es also alle tun, was bedeuten Aneignungen und welche gesellschaftlichen Interpretationen rufen sie hervor? Diesen und anderen Fragen stellen sich in Kontext zwei Fachleute der Appropriation: die Kunsthistorikerin Julia Gelshorn von der Université de Fribourg und der Leiter des Basler Museums für Gegenwartskunst Søren Grammel.

Beiträge

  • Ausonius lebte im 4. Jahrhundert in Bordeaux.

    Uralte künstlerische Praxis

    Aneignung ist als kreative Strategie Jahrtausende alt. Bereits in der Spätantike benutzte zum Beispiel der Dichter Ausonius in einer Art Cut-Up-Technik Verse aus Vergils «Aeneis», um ein neues Gedicht zu schreiben.

    Raphael Zehnder

  • Louise Lawler (Wand)/Harun Farocki (Film): Pollock and Tureen (traced); Dots and Slices (traced); Schlagworte - Schlagbilder

    Juristische Problemfelder

    Aneignung als künstlerische Praxis nutzt bestehende Werke und macht daraus neue. Die bestehenden Werke aber sind durch das Urheberrecht geschützt.

    Unter welchen Umständen dürfen sie in neuen Kunstwerken zitiert werden? Antworten vom Juristen Christoph Beat Graber von der Universität Zürich.

    Dania Sulzer

  • Aneignung wird in der Musikszene kritisiert – etwa bei Katy Perry.

    Kontroverse Diskurse

    Aneignung wird in der Musikszene kritisiert. Etwa, wenn weisse Grossverdiener wie Katy Perry Rollenspiele in ihre Songs einbauen und schwarze Stereotypen bedienen.

    Die Musikszene diskutiert über Rassismus und moralische Verbote der Aneignung.

    Theresa Beyer

  • Einige Fans von «Jurassic Parc» drehen gerne FIlmszenen nach.

    Filmische Aneignung

    Blockbuster wie «Back to the Future» oder «Jurassic Parc» werden in der Fanbewegung «Sweded Cinema» möglichst einfach nachgedreht: auf Handykameras mit Kartonrequisiten und selbstgepfiffener Filmmusik.

    Filmische Aneignung zwischen Dekonstruktion und fanfanatischer Verehrungsgeste.

    Georges Wyrsch

Autor/in: Ellinor Landmann, Raphael Zehnder, Dania Sulzer, Theresa Beyer, Georges Wyrsch, Moderation: Ellinor Landmann, Redaktion: Dagmar Walser