Dschihadisten deradikalisieren

  • Montag, 16. Mai 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 16. Mai 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 16. Mai 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Der Nachrichtendienst hält in seinem neusten Bericht fest, dass sich die Bedrohung durch dschihadistisch motivierte Terroristen in Europa und in der Schweiz noch einmal verstärkt hat. Wir fragen, was die Forschung über die Dschihadisten-Szene hierzulande weiss und beleuchten Präventions-Projekte.

Aus der Schweiz sind in den letzten Jahren insgesamt rund 70 Personen in den Dschihad gezogen. Es handelt sich nicht um tausende Jugendlicher, die als selbsternannte Krieger nach Syrien reisen. Aber jeder, der geht, ist einer zu viel.
Was hat die meist jungen Männer so weit gebracht, dass sie alles aufgeben und zum Morden bereit sind? Wir stellen eine Studie vor, die sich mit den Hintergründen jihadistischer Radikalisierung in der Schweiz befasst hat.

Doch was tun, wenn man plötzlich feststellt, mein Sohn hat sich verändert? Ein Gewaltexperte aus Basel erzählt, wie er mit radikalisierten Muslimen arbeitet.

Aus Deutschland reisten prozentual gesehen etwa gleich viele Dschihadisten ins Kriegsgebiet, wie aus der Schweiz. Laut Bundeskriminalamt waren es rund 800 Personen. Einige sterben, einige bleiben und einige kommen zurück nach Deutschland. Sie landen dann meist gleich im Gefängnis. Aufgeben darf man die Jungen aber nicht, denn irgendeinmal kommen sie wieder frei. Wir reden mit einem Präventionsfachmann, der mit radikal-muslimischen Häftlinge arbeitet.

Und zu Letzt schauen wir noch über die Grenzen Europas hinaus. Wir stellen ein Projekt vor, das die Mütter in den Vordergrund stellt. Mütter sind die erste Instanz, die ihre Kinder vor extremistischem Gedankengut schützen könnten.





Beiträge

  • Minderjährige Dschihadisten in der Schweiz sind sehr selten.

    Kaum minderjährige Dschihadisten in der Schweiz

    Die Forschung über die Dschihadisten-Szene steht in der Schweiz noch ganz am Anfang. Die Soziologin Miryam Eser hat kürzlich an einer Tagung von Mission 21 in Basel die Erkenntnisse, die bisher vorliegen, rekapituliert. Sie stützt sich dabei auf Daten des Schweizer Nachrichtendienstes.

    Sabine Bitter

  • Die Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention beschäftigs sich mittlerweile weniger mit Rechtsextremen und mehr mit Personen mit islamistischem Gedankengut.

    Hilfe annehmen, bevor es zu spät ist

    Aus der Schweiz sind rund 70 Dschihadisten bekannt, die in den letzten zehn Jahren nach Syrien oder in den Irak gereist sind. Das sind 70 zu viel.

    Samuel Althof von der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention arbeitet seit Jahren mit Menschen, die gefährdet sind, in religiösen Extremismus abzufallen. Zuerst beschäftigte er sich mit Rechtsextremen, heute zählen auch Muslime mit islamistischem Gedankengut zu seinen Klienten.

    Kathrin Ueltschi

  • Dschihadisten versuchen zum Teil im Gefängnis Nachwuchs zu Rekrutieren.

    Keinen Menschen aufgeben

    Der Krieg in Syrien bietet Dschihadisten drei Möglichkeiten: Sie kämpfen, sie sterben oder sie kehren zurück. Wer nach Deutschland zurückkehrt und erfasst wird, landet im Gefängnis. Viele von den ehemaligen Kämpfern sind desillusioniert.

    Andere versuchen in deutschen Gefängnissen Nachwuchs zu rekrutieren. In Haftanstalten arbeitet der Pädagoge Thomas Mücke. Er nimmt mit den meist jungen Männern Kontakt auf und zeigt ihnen eine Alternative zum Fanatismus auf.

    Kathrin Ueltschi

  • Edit Schlaffer hat Mütter in verschiedenen Ländern besucht, um herauszufinden, wieso sich deren Kinder dem IS angeschlossen haben.

    «Wer kritisch denken kann, wird nicht radikalisiert»

    Wie kann eine Gesellschaft erkennen, dass in ihrer Mitte Menschen heranwachsen, die bereit sind, in einen «Heiligen Krieg» zu ziehen? Diese Frage hat die österreichische Sozialwissenschaftlerin Edit Schlaffer interessiert.

    Sie hat deshalb in vielen Ländern das Gespräch mit Müttern gesucht, deren Söhne oder Töchter sich dem Kampf für den sogenannten Islamischen Staat verschrieben haben und bereit waren, ihr Leben für ein Attentat zu opfern. Sie kam dabei zu überraschenden Erkenntnissen und hat - darauf aufbauend - ein internationales Präventionsprojekt entwickelt.

    Sabine Bitter

Autor/in: Sabine Bitter und Kathrin Ueltschi, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Noëmi Gradwohl