Ein Gespenst geht um in Europa: 200 Jahre Karl Marx

  • Freitag, 4. Mai 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 4. Mai 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 4. Mai 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Nur wenige Denker haben so grosse Wirkung entfaltet wie Karl Marx, der Philosoph, Ökonom und Gesellschaftstheoretiker, der am 5. Mai 1818 in Trier zur Welt kam. Den einen galt er als Heilsbringer, den anderen als Übeltäter, der das Fundament für die realsozialistischen Diktaturen schuf.

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx versucht «Kontext» den «multiplen Marx», wie ihn der Biograf Jürgen Neffe nennt, zu ergründen: seine Biografie, die Kritik, die Marx' Wirken aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, seine Analysen der Gesellschaft und Wirtschaft des 19. Jahrhunderts, in denen er Erkenntnisse formuliert, die teils bis heute nichts an Gültigkeit verloren haben.

Und nicht zuletzt befragen wir Brigitte Studer, Historikerin an der Universität Bern, zum Marxismus in der Schweiz. Dieser wurde oft zum mächtigen Feindbild emporstilisiert, hatte aber - durchaus in demokratischer Manier - auch hierzulande einige Auswirkungen.

Beiträge

  • Jürgen Neffe, Autor von «Der Unvollendete»

    Biographisches

    «Marx war ausgesprochener Demokrat», sagt Jürgen Neffe, der unter dem Titel «Der Unvollendete» eine Biografie über den Philosophen, Ökonomen, Gesellschaftstheoretiker und politischen Journalisten veröffentlicht hat.

    Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in eine gebildete Mittelschichtsfamilie in Trier hineingeboren. Er sei ein «Besserwisser und Rechthaber» gewesen. Er habe den klassischen Werdegang eines begabten Sohnes aus dem Bildungsbürgertum durchlaufen und sich wie viele Philosophen für Hegel begeistert. Und diese intellektuelle Entdeckung wog schwer für Marx' Gesellschaftsanalysen.

    Günter Kaindlstorfer

  • «Das Kapital» von Karl Marx

    Auf Spurensuche in der Schweiz

    Der Marxismus hat nicht nur weltweit zu Reformen inspiriert und zu Revolutionen geführt, er hat sich auch auf die Schweiz ausgewirkt. Das Denken von Karl Marx stand ab dem 19. Jahrhundert Pate für die Anliegen eines Teils der Linken.

    Auch provozierte es auf der rechten Seite des politischen Spektrums bisweilen paranoid-hysterische Reaktionen.

    SRF-Kulturredaktor Felix Münger unterhält sich mit Brigitte Studer, Professorin für Geschichte an der Universität Bern. Sie befasst sich unter anderem mit Schweizer Geschichte und der Geschichte der Arbeiterbewegung.

    Felix Münger

  • Karl Popper

    Marx-Kritik

    Marx sei trotz seiner Verdienste ein falscher Prophet gewesen, schrieb der Philosoph Karl Popper. Seine Prophezeiungen hätten sich nicht erfüllt.

    Sein geschlossenes Denksystem habe mit einer gewissen Folgerichtigkeit zu diktatorischen Systemen geführt, etwa in der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten.

    Die Berliner Wirtschaftspublizistin Ulrike Herrmann stellt dagegen fest, Lenin und Mao hätten sich nur zu Legitimationszwecken auf Marx berufen. Marx selbst hätte den «Marxismus-Leninismus» wohl in Grund und Boden verdammt.

    Günter Kaindlstorfer

  • Karl Marx Statue in Moskau

    Der digitale Kapitalismus

    Sein Leben lang versuchte Marx zu verstehen, wie der Kapitalismus funktioniert.

    Dessen Ende ist zwar nicht eingetreten, doch Marx hat einige Entwicklungen vorausgesehen, die auch das heutige Wirtschaftsleben prägen, etwa die zunehmende Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Roboter, die Dynamik, mit der der Kapitalismus die Grenzen niederreisst, bis eine vollständige Globalisierung erreicht ist - oder die totale Kommerzialisierung aller Lebensbereiche bis in menschliche Beziehungen hinein.

    Günter Kaindlstorfer

Autor/in: Günter Kaindlstorfer, Felix Münger, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Raphael Zehnder, Sabine Bitter