Ein Kulturfestival inmitten einer kulturellen Wüste

  • Montag, 19. Februar 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 19. Februar 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 19. Februar 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Im sudanesischen Dorf Karmakol haben sudanesische, schweizerische und ägyptische Kulturschaffende ein äusserst ambitiöses Kulturprojekt auf die Beine gestellt. Es will ein Zeichen setzen in einem schwierigen Umfeld, doch gleichzeitig auch zur Entwicklung eines Dorfs am Nil beitragen.

Ausgerechnet im Sudan, einem Land, das während langen Jahren unter dem Verdacht stand, terroristische Organisationen zu fördern, ist ein zukunftsträchtiges Kulturprojekt ins Leben gerufen worden. Es will die Förderung des lokalen Kulturschaffens, den Austausch mit Musikern und Theater- und Filmschaffenden aus der ganzen Welt mit einem Dorfentwicklungsprojekt verbinden.

Gleichzeitig hoffen die Initianten, damit zur Öffnung des islamistischen Regimes beitragen zu können. Das Festival, das im vergangenen Dezember stattfand, war ein grosser Erfolg. Ob und wie es weitergeht, ist noch offen.


Buchhinweis:
Tajjib Salich: Zeit der Nordwanderung
Roman aus dem Sudan
Aus dem Arabischen von Regina Karachouli
Lenos-Verlag

Beiträge

  • Lehmhäuser, Palmen, Fellachen und der träge strömende Nil

    Das kleine Dorf Karmakol, rund 300 Kilometer von der Hauptstadt Khartum entfernt, wirkt auf den ersten Blick beinahe biblisch.

    Die Häuser sind aus Lehmziegeln erbaut, auf den fruchtbaren Feldern arbeiten Menschen in langen, weissen Gewändern, und unweit des Dorfs zieht der Nil in einer weiten Schleife vorbei.

    In Karmakol wurde Tajjib Salich, der berühmteste Schriftsteller des Landes geboren. Sein Roman «Zeit der Nachtwanderung» ist eines der wichtigsten Werke der zeitgenössischen arabischen Literatur. Doch das Dorf Karmakol ist auch mit Auswanderung und anderen Problemen konfrontiert.

    Beat Stauffer

  • Ein Sudanese sitzt vor seinem Haus

    Ein Festival in einem kulturfeindlichen Umfeld

    Im Dezember 2017 fand in Karmakol zum ersten Mal ein internationales Kulturfestival statt. Während rund drei Wochen besuchten mehrere tausend Menschen Konzerte, Theateraufführungen und Workshops, trafen sich in den improvisierten Cafés zum Gespräch und zum geselligen Beisammensein.

    Zusammen mit der Dorfbevölkerung restaurierte die Leitung des Festivals auch die teilweise verfallenen alten Lehmhäuser im alten Dorfkern und versuchte der Entwicklung des etwas verschlafenen Dorfs neue Impulse zu geben. Ein ungewöhnliches Experiment in einem eher kulturfeindlichen Umfeld.

    Beat Stauffer

  • Mit einem Kulturprojekt zur gesellschaftlichen Öffnung beitragen?

    Hinter dem ambitiösen Kulturprojekt im Dorf Karmakol stehen sudanesische, schweizerische und ägyptische Kulturschaffende. Zur Unterstützung des Projekts ist in der Schweiz zudem der Verein «Swiss Initiative – Culture Projects» gegründet worden.

    Ein Kulturfestival in einem sehr konservativen Land durchzuführen, dessen Langzeitherrscher zudem vom internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit angeklagt ist, beinhaltet beachtliche Risiken. Doch die Initianten sind überzeugt, dass sie mit diesem Kulturprojekt letztlich zur Öffnung des Landes beitragen können.

    Beat Stauffer

Autor/in: Beat Stauffer, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Christoph Keller