Europäische Flüchtlingspolitik – Erosion der Menschenrechte?

  • Mittwoch, 1. Juli 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 1. Juli 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 1. Juli 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Nicht nur die Politik, auch die Wissenschaft befasst sich mit Migrationsfragen. In Genf kamen Ende letzter Woche über 400 Migrationsexperten zu einer internationalen Tagung zusammen, um neue Perspektiven zu entwickeln.

Sechzig Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Obwohl nur ein kleiner Teil davon in Europa Schutz sucht, sind die europäischen Länder mit der ethischen und politischen Frage konfrontiert: Gewähren sie Schutz, wie sie es mit der Flüchtlingskonvention und Menschenrechtsverträgen versprechen? Und tun sie es auch dann, wenn sie durch die Opposition rechtspopulistischer Parteien unter Druck kommen und beim eigenen Wohlstand Abstriche machen müssen?

An einer internationalen Konferenz in Genf haben sich über 400 Migrationsexperten getroffen, um im Spannungsfeld zwischen Migrationspolitik, Menschenrechten und Demokratie neue Perspektiven zu entwickeln.

Beiträge

  • 60 Freiwillige vermitteln in Zürich Aussersihl 180 Flüchtlingen die deutsche Sprache.

    Die Freiwilligen von Aussersihl

    Jeden Freitag treffen sich im Kirchgemeindehaus von Zürich Aussersihl an die 180 Flüchtlinge zum Deutschunterricht. Rund 60 Freiwillige engagieren sich als Unterrichtende, im Küchendienst und in der Kinderbetreuung. Im Anschluss ans Büffeln gibt es Mittagessen für alle.

    Eine Reportage über Engagement und ein Projekt, das die Welt zu Tisch bringt.

    Kaa Linder

  • Gianni D'Amato befasst sich an der Université de Neuchâtel mit Migration.

    Flüchtlingshilfe: Die Aufgaben gleichmässig verteilen

    Die meisten Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Europa sind, kommen in den Krisenländern Griechenland und Italien an, Länder, die bei der Aufnahme der Schutzsuchenden überfordert sind. Viele Menschen tauchen notgedrungen unter, was von den europäischen Ländern im Norden kritisiert wird.

    Der Leiter des Forschungsschwerpunkts des Schweizerischen Nationalfonds zu Migration, Gianni D'Amato, skizziert Perspektien für eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik.

    Sabine Bitter

  • Mussie Zerai engagiert sich für die Bootsflüchtlinge aus Afrika.

    «Ich bin nicht der Retter der Welt»

    Er soll bereits Tausenden von Bootsflüchtlingen das Leben gerettet haben: Der eritreische Priester Mussie Zerai, der in Erlinsbach lebt.

    Er kämpft unermüdlich dafür, dass das Leid der Flüchtlinge endlich wahrgenommen wird. Seine Telefonnummer kennen viele, die in Afrika in eines jener Schiffe steigen, das sie nach Europa bringen soll. Klingelt Zerais Handy und «+88» leuchtet auf, weiss er: Die Anrufer sind Bootsflüchtlinge, die in Not geraten sind, und er bietet die Küstenwache auf.

    Deborah Sutter

  • Auf dem Papier allein sind Menschenrechte wenig wert: Völkerrechtsprofessorin Martina Caroni.

    Erosion der Menchenrechte

    Flüchtlinge, die aus Bürgerkriegsländern wie Syrien oder aus Ländern mit Militärdiktaturen wie Eritrea nach Europa kommen, können sich auf die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 und Menschenrechtsverträge berufen.

    Doch gerade in der aktuellen Flüchtlingskrise können viele das Recht auf dem Papier real nicht einlösen.

    Martina Caroni, Professorin für öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Luzern, stellt eine Aushöhlung der Menschenrechte fest.

    Sabine Bitter

Autor/in: Sabine Bitter, Kaa Linder, Deborah Sutter, Moderation: Gabriela Kägi, Redaktion: Sabine Bitter, Cornelia Kazis