Frauenhandel: Wie schützt die Schweiz Betroffene?

  • Mittwoch, 21. März 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 21. März 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 21. März 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Menschenhandel ist ein lukratives Geschäft: Laut Schätzungen der Uno werden damit weltweit 32 Milliarden Dollar verdient. Die meisten Fälle, die in der Schweiz ans Licht kommen, betreffen Frauen im Sexgewerbe. Beim Schutz der Opfer gibt es Lücken.

Das Schweizer Asylwesen schützt mögliche Opfer von Menschenhandel zu wenig – das kritisieren sowohl Hilfsorganisationen wie auch die UNO und der Europarat. Die Schweiz hat in den letzten Jahren zwar einiges unternommen, um Menschenhandel mithilfe eines Nationalen Aktionsplans besser zu bekämpfen.

Doch die kurzen Fristen bei Asylverfahren erschweren den Opferschutz. Oft sind Frauen, die an Menschenhändler geraten sind, von ihren Erlebnissen schwer traumatisiert und brauchen Zeit, um sich zu stabilisieren. Falls die Ausbeutung nicht in der Schweiz passiert ist, haben sie kein Anrecht auf Opferschutz. Doch Menschenhandel ist ein internationales Geschäft - viele betroffene Frauen gelangen auf der Flucht in die Schweiz.

«Kontext» fragt: Was unternimmt die Schweiz, um Opfer von Frauenhandel besser zu schützen? Wo sind die Schwachstellen im System?

 

Beiträge

  • Topista Nambuba erfuhr auf der Reise, dass sie sich am Zielort prostituieren soll.

    Wie eine ugandische Studentin an Menschenhändler geriet

    Topista Nambuba war 22 Jahre alt und studierte in Kampala, als sie in der Zeitung von Auslandspraktika in Europa las. Auf der Reise erfuhr sie, dass sie sich am Zielort prostituieren soll. Sie konnte sich in die Schweiz absetzen und stellte ein Asylgesuch, das abgelehnt wurde.

    Nachdem sie einige Zeit illegal in der Schweiz lebte, wurde sie ausgeschafft, als sie im siebten Monat schwanger war. Bis heute fürchtet sie die Drohungen der Menschenhändler, die Geldforderungen stellen. Eine Geschichte, die Fragen nach dem Schutz der Opfer von Menschenhandel aufwirft.

    Irene Grüter

  • Die Fachstelle Frauenmigration und Frauenhandel FIZ in Zürich setzt sich für den Schutz und die Rechte von Migrantinnen ein.

    Lücken beim Schutz der Opfer von Menschenhandel

    Die Fachstelle Frauenmigration und Frauenhandel FIZ in Zürich setzt sich für den Schutz und die Rechte von Migrantinnen ein. Bei der Betreuung von Opfern von Frauenhandel stossen die Mitarbeiterinnen oft an Grenzen.

    Denn beim Schutz der Betroffenen gibt es Lücken, besonders wenn sie im Asyl-Prozess stehen.

    Dazu kommen grosse kantonale Unterschiede im Umgang mit Opfern von Menschenhandel, sagt Rebecca Angelini: «Für die Betroffenen ist es Glück oder Pech, in welchem Kanton sie ausgebeutet wurden.»

    Irene Grüter

  • Alexander Ott berichtet von den Bemühungen um besseren Opferschutz auf nationaler wie auf kantonaler Ebene.

    «Wir bekämpfen nur ein Symptom, nicht die Ursachen»

    Die Schweiz hat in den letzten Jahren viel unternommen, um besser gegen Menschenhandel vorzugehen. Dennoch sagt der Leiter der Fremdenpolizei Bern, Alexander Ott: «Wir bekämpfen nur ein Symptom, nicht die Ursachen des Menschenhandels».

    Er berichtet von den Bemühungen um besseren Opferschutz auf nationaler wie auf kantonaler Ebene. Und er erinnert daran, dass Menschenhandel auch eine Folge unserer Lebensweise ist, die zur Ungleichheit beiträgt.

    Irene Grüter

Autor/in: Irene Grüter, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Raphael Zehnder