Geld aus dem Orient für Schweizer Moscheen: Fakt oder Mythos?

  • Montag, 3. September 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 3. September 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 3. September 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Wer zahlt den Bau von Moscheen und das Gehalt der Imame? Eine SRF-Recherche zeigt: Viele Moscheen leben von den Beiträgen ihrer Mitglieder und Spenden aus der Schweiz. Nur in Ausnahmen lässt sich eine ausländische Finanzierung nachweisen: aus der Türkei oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die mutmassliche Finanzierung von Moscheen aus dem Ausland sorgt für politischen Zündstoff. Immer wieder fordern Schweizer Politiker, ausländische Geldflüsse für Moscheen zu verbieten. Doch welche islamischen Gotteshäuser vom Ausland unterstützt werden, ist unklar. Vereine müssen in der Schweiz ihre Finanzen nicht offenlegen.

SRF hat in der Deutschschweiz recherchiert. Wir haben Musliminnen und Muslime getroffen, die Vorurteile abbauen wollen und Einblick in die Buchhaltung ihrer Moschee gaben. Wir sind aber auch auf Moscheen gestossen, die sich abschotten und jegliche Auskunft verweigern.

Beiträge

  • Die Bosnische Moschee in Emmenbrücke

    Gut schweizerisch: Über Lohn wird nicht gesprochen

    In der bosnischen Moschee in Emmenbrücke bei Luzern redet man über Geld. Im Eingangsbereich hängt eine grosse Tafel. Darauf wird exakt aufgeführt, wer wieviel an Mitgliederbeitrag bezahlt.

    Vor 17 Jahren hat der bosnische Kulturverein das Haus gekauft. Darin hat eine Moschee für rund 400 Personen Platz. Zudem steht den Besucherinnen und Besuchern eine Bibliothek zur Verfügung und ein öffentliches Restaurant. Izeta Saric arbeitet hier als Religionslehrerin. Sie erzählt, warum man über Mitgliederbeiträge redet, über den Lohn des Imams aber schweigt.

    Kathrin Ueltschi

  • Ibrahim Tas, Vorstandsmitglied der Aksa-Moschee

    Türkische Imame mit türkischem Geld in der Schweiz

    Derzeit sind 35 türkische Imame in der Schweiz tätig. Sie werden von der türkischen Religionsbehörde Diyanet entsandt und bezahlt. Der Beitrag der Türkei dürfte die grösste Form von Auslandsfinanzierung sein – Imame werden schon seit Jahrzehnten in die Schweiz geschickt.

    Die enge Verbindung von Religion und Politik wird wegen Präsident Erdogans autoritärer Agenda argwöhnisch beäugt. Das bekommt auch Ibrahim Tas zu spüren, Vorstandsmitglied der Aksa-Moschee in Schaffhausen. Der Moscheeverein plant einen Neubau, aber die Banken wollen keinen Kredit gewähren.

    Raphael Rauch

  • Die Moschee an der Rötelstrasse in Zürich

    Zürcher Moschee erhält 200'000 Franken aus den Emiraten

    Die Vereinigten Arabischen Emirate zahlen jährlich rund 200 000 Franken an die Zürcher Moschee in der Rötelstrasse. Auch die Liegenschaft gehört den Emiraten. Das Geld vom Persischen Golf deckt den Löwenanteil der Moschee-Ausgaben: Imam, Abwart, laufende Kosten.

    Hinzu kommen Beiträge der Moschee-Besucher.

    Politische Ziele seien mit der Unterstützung nicht verbunden, sagt der Botschafter der Emirate in Bern. Sein Land übe keinen Einfluss auf die Moschee aus – mit einer Ausnahme: der Besetzung des Seelsorgers.

    Raphael Rauch

  • Kerem Adigüzel

    Engagement ist momentan wichtiger als Geld

    Eine Moschee, in der über alles gesprochen werden kann - so stellt sich Kerem Adigüzel (31) seine Moschee der Zukunft vor. Von einer liberalen Moschee möchte er aber nicht sprechen. Er will sich weder in die Schublade liberal noch konservativ stecken lassen.

    Letzten Herbst hat Kerem Adigüzel mit weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern den Verein «Al-Rahman - mit Vernunft und Hingabe» gegründet. Der Verein steht noch ganz am Anfang - bis jetzt trifft man sich einmal in der Woche zu Gesprächen und Gebet. Und auch die Finanzen des Vereins sind noch bescheiden.

    Kathrin Ueltschi

  • Die Bosnische Moschee in Emmenbrücke von innen

    Moscheenfinanzierung: ein Blick aus Wissenschaft und Praxis

    Moscheen und ihre Finanzen – das gibt immer wieder zu reden. Silvia Martens vom Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern kennt viele Moscheen aus ihrer Feldforschung über «Muslimische Wohltätigkeit in der Schweiz». Sie berichtet als Studiogast über ihre Erfahrungen.

    Oender Günes ist Mediensprecher der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS). Wie können die Verbände helfen, die Moscheevereine professioneller und transparenter zu machen? Günes ist ebenfalls im Studio zu Gast.

    Hansjörg Schultz

Autor/in: Raphael Rauch, Kathrin Ueltschi, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Anna Jungen