Gewalt gegen Frauen, warum so viel ausgerechnet in Lateinamerika?

  • Montag, 22. Juni 2020, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 22. Juni 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 22. Juni 2020, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Nirgends auf der Welt ist die Gewalt Frauen gegenüber so hoch und so verbreitet wie in Lateinamerika: Koloniale Vergangenheit und Drogenhandel mögen viel, aber nicht alles erklären. Ein Versuch, das Phänomen zu durchleuchten.

Die Uno-Gleichstellungsorgaisation UN Women stellte in einem Bericht aus dem Jahre 2017 fest, dass Gewalt gegen Frauen inzwischen epidemische Ausmasse angenommen haben. Tatsächlich stehen diverse Länder Lateinamerikas und der Karibik in Bezug auf Frauenmorde und Vergewaltigungen an der Spitze einer makabren Statistik.

Zwar sind die Gründe dafür in jedem Land etwas anders gelagert – aber sie haben auch viele Gemeinsamkeiten und dazu zählt, dass ein Frauenleben nicht viel wert ist. Das spiegelt sich auch in den Strafnormen gegen häusliche Gewalt, die in 24 von 33 Staaten in Lateinamerika und der Karibik nicht oder nur zögerlich durchgesetzt werden.

Beiträge

  • Besuch bei den Miskitu

    Die Ethnologin Ulrike Prinz war im Auftrag einer NGO zu Besuch bei den Miskitu, einer indigenen Ethnie in Nicaragua und traf dort auf eine erschreckende Tatsache: Viele Männer – und auch Frauen – finden den Missbrauch junger Frauen und minderjähriger Mädchen nichts Ungewöhnliches.

    Es gibt zwar Frauenhäuser und auch ausgebildete traditionelle «Richter», die der Gewalt etwas entgegensetzen – doch an den Grundproblemen können sie nur wenig ändern.

    Ulrike Prinz

  • Gewalt in Lateinamerika – ein fatales Gemenge

    Machismo – Rassismus – koloniale Vergangenheit sind alles Gründe für eine exorbitante lateinamerikanische Gewaltbereitschaft, wie sie kaum auf einem andern Kontinent so alltäglich vorkommt: alleine in Brasilien werden pro Jahr mehr als 60'000 Menschen umgebracht – in Mexiko sind es über 30'000 – und darunter viele Frauen.

    Die Gründe dafür sind divers – erklärt Christian Büschges, Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Lateinamerikanische Geschichte in der Schweiz.

    Maya Brändli

  • Widerstand in Nicaragua ist möglich – aber nur sehr begrenzt

    NGO's und eine engagierte Zivilgesellschaft wehren sich in Nicaragua gegen Gewalt an Frauen. Doch der Widerstand wurde 2018 niedergeschlagen und der Weg hin zur Achtung der Frauen ist noch weit.

    Ulrike Prinz

  • Widerstand ist schwierig – aber es gibt ihn

    In Nicaragua hat die Ehefrau des amtierenden Präsidenten dafür gesorgt, dass der Widerstand protestierender Feministinnen niedergeschlagen wurde.

    Doch in andern Ländern ist der Widerstand am Wachsen. Unter dem Motto «NiUna-Menos» (Nicht eine Frau weniger) gingen im August 2016 in Lima 500'000 Frauen und Männer auf die Strasse und protestierten gegen die Gewalt Frauen gegenüber. Auch in Argentinien bewegt sich in der Gesetzgebung etwas – zögerlich, aber immerhin. Ein Gespräch mit Christian Büschges.

    Maya Brändli

Autor/in: Maya Brändli, Ulrike Prinz, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Maya Brändli; Produktion: Noëmi Gradwohl