Gurlitt und die Folgen

  • Montag, 19. Dezember 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 19. Dezember 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 19. Dezember 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Lange war der Entscheid erwartet worden: Nach zwei Jahren Rechtsstreit liegt in der Sache Gurlitt jetzt ein Urteil vor: Das Kunstmuseum Bern kann das Erbe von Cornelius Gurlitt antreten. Was bedeutet der Entscheid und was sind die Folgen?

Das Oberlandesgericht München hat entschieden: Das Testament von Cornelius Gurlitt ist gültig. Das Verfahren ist abgeschlossen, die unterlegene Gegenseite, Gurlitts Cousine Uta Werner, kann allerdings noch einen Zivilprozess anstreben. Ob sie das tut, ist noch offen.

Ob die Kunstsammlung, die Hildebrand Gurlitt in der NS Zeit zusammengetragen hatte, tatsächlich ans Kunstmuseum Bern kommt, ist also noch nicht ganz klar.

Was aber befindet sich in dieser Sammlung, die seit Jahren in Deutschland auf NS-Raubkunst untersucht wird? Welche Schritte unternimmt das Kunstmuseum Bern nun in Bezug auf das heikle Erbe? Und welche Folgen hat die Affäre Gurlitt für die Schweiz? Diesen Fragen geht Kontext nach.

Beiträge

  • Gurlitt: Stand der Forschung

    Seit fast drei Jahren wird die Gurlitt-Sammlung in Deutschland auf NS-Raubkunst hin untersucht. Es besteht ein starker Anfangsverdacht, weil die Sammlung von Hildebrand Gurlitt, einem der grossen Kunsthändler des NS-Regimes, zusammengetragen wurde.

    Erst fünf Bilder wurden bisher als NS-Raubkunst identifiziert. Bei vielen anderen Werken stösst die Forschung an Grenzen: der NS-Raubkunstverdacht könne nicht erhärtet, aber auch nicht ausgeschlossen werden. Warum das so ist, erklärt die wissenschaftliche Koordinatorin des Projekts «Provenienzrecherche Gurlitt», Andrea Baresel-Brand.

    Ellinor Landmann

  • Gurlitt: Das Kunstmuseum Bern

    Bevor das Kunstmuseum Bern im November 2014 erklärte, das umstrittene Erbe anzunehmen, handelten Rechtsanwälte die Bedingungen aus. Einer von ihnen war Marcel Brülhart. Unterdessen ist er Vizepräsident der Dachstiftung von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee.

    Nachdem das Testament von Cornelius Gurlitt per Gerichtsurteil als gültig erklärt wurde, erläutert er im Gespräch, wie das Kunstmuseum mit dem umstrittenen Erbe umgehen will, welche Kunstwerke aus der Gurlitt-Sammlung tatsächlich ans Haus kommen könnten, und wie er den Schweizer Umgang mit NS-Raubkunst beurteilt.

    Ellinor Landmann

  • Gurlitt: Die Folgen

    Eines ist klar: Der Name Gurlitt wurde zum Schlagwort und hat die Aufmerksamkeit für NS-Raubkunst und die Restitution von Kunstwerken geschärft, den öffentlichen Druck erhöht und auch Veränderungen angestossen:

    In der Schweiz etwa unterstützt der Bund seit diesem Jahr einzelne Museen in der Provenienzrecherche. Reicht das? Und: was tun andere Länder, um NS-Raubkunst zu finden und zurückzugeben?

    Ellinor Landmann

Autor/in: Ellinor Landmann, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Sabine Bitter und Maya Brändli