Holocaust-Forschung – Erweiterte Perspektiven auf Täter

  • Mittwoch, 10. Januar 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 10. Januar 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 10. Januar 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Holocaust-Überlebende sind heute hochbetagt und können bald nicht mehr als Zeitzeugen an die Opfer des Völkermords erinnern. Die historische Forschung wendet sich denn auch vermehrt den Tätern zu und den Zeugnissen, die sie hinterlassen haben.

Manche Holocaust-Überlebende sind in den letzten Jahrzehnten als Zeitzeuginnen und Zeitzeugen öffentlich aufgetreten und haben den jüngeren Generationen vermittelt, was sie unter der nationalsozialistischen Diktatur und in Konzentrationslagern erlitten haben. Jene, die heute noch leben, sind hochbetagt und können bald nicht mehr daran erinnern.

Die historische Forschung hat in den letzten Jahren denn auch begonnen, vermehrt die nationalsozialistische Täterschaft in den Blick zu nehmen. Dabei hat sie neue Sichtweisen eingebracht.

Beiträge

  • Das ehemalige Massenvernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Polen

    «Mein Grossvater – ein Mörder und Verbrecher»

    Entsetzt steht die Diakonissin Silvia 2009 im Museum Bisingen vor dem Porträt ihres Grossvaters, dem KZ-Lagerführer Johannes Pauli, der im Zweiten Weltkrieg für den Tod von fast 1200 Häftlingen mitverantwortlich war: «Am liebsten hätte ich das Bild von der Wand gerissen, ich bekam eine ungeheure Wut», erzählt die 53-Jährige.

    Nach 1945 wurde Pauli in der Schweiz zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Verbrechen blieben in Silvias Familie lange tabu. Bis heute schämt sie sich für ihren Vorfahren. Aber sie hat gelernt, offen über ihre Geschichte zu sprechen: «Denn Schweigen schadet.»

    Remi Bütler

  • Mitglieder der Waffen-SS

    Schweizer in der Waffen-SS

    Rund 2000 Schweizer schlossen sich während des Nationalsozialismus und Zweiten Weltkriegs der Waffen-SS an. Sie kamen als Soldaten an der Ostfront ebenso zum Einsatz wie als Kommandanten in Konzentrationslagern.

    Was sie dazu bewogen hat, sich auf der Seite von Hitler in einen fremden Kriegsdienst zu begeben, erschliesst sich aus den Berichten von Schweizer Freiwilligen, die im SRF-Archiv liegen und dem Gespräch mit dem Historiker Peter Huber, der die Geschichte der Fremdenlegionäre aus Gerichtsakten rekonstruiert.

    Sabine Bitter

  • Der 94-jährige ehemalige SS-Mann Oskar Gröning wird 2015 zu vier Jahren Haft verurteilt

    Neue Perspektiven in der Täterforschung

    Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben sich für Historikerinnen und Historiker neue Forschungsmöglichkeiten ergeben. Denn mit der Öffnung der Archive in Osteuropa fanden sie unbekanntes Material.

    Daraus liessen sich in den letzten zwanzig Jahren neue Erkenntnisse gewinnen.

    Der Historiker Frank Bajohr von Institut für Zeitgeschichte in München skizziert in «Kontext» die neuen Erkenntnisse in der Täterforschung.

    Sabine Bitter

Autor/in: Sabine Bitter, Remi Bütler, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Noëmi Gradwohl