«In Gegensätzen denken» - Peter Weiss wiederentdecken

  • Dienstag, 8. November 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 8. November 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 8. November 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Peter Weiss schaut Kontext auf eine neue Biographie und widmet sich der «Ästhetik des Widerstands». Mit dem Wiedererstarken nationalistischer Bewegungen gewinnt das Hauptwerk von Peter Weiss eine besondere Dringlichkeit. Was heisst Widerstand heute?

Ästhetische Fragen seien immer auch politische Fragen, sagte Peter Weiss (1916 – 1982). Der Autor, Filmemacher und bildende Künstler hat sich durch sein unversöhnliches Engagement und seine intellektuelle Brillanz in die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts eingeschrieben.

Mit Theaterstücken wie «Die Ermittlung», einem vielstimmigen Oratorium ausgehend von Protokollen der Frankfurter Ausschwitz-Prozesse, gilt er als ein Vorreiter des modernen dokumentarischen Theaters.

Die letzten zehn Jahre seines Lebens widmete er sich der «Ästhetik des Widerstands»: Seinem monumentalen Lebenswerk, eine mehr als 1000-seitige Jahrhundertbilanz über die Rolle der Kunst in der Geschichte und im Kampf gegen den Faschismus.

Wie aktuell ist sein Werk? Oder mit dem Autor Peter Weiss gefragt: Was ist bloss aus unserer Zukunft geworden?

Beiträge

  • Eine neue Biographie erlaubt einen neuen Blick auf Leben und Werk

    Peter Weiss trieb das «In-Gegensätzen-Denken» an. Als kritischer Intellektueller widersetzte er sich in der Nachkriegszeit immer konsequenter dem politischen und künstlerischen Mainstream.

    Darum ist es besonders aufschlussreich, die private und die öffentliche Person Peter Weiss in den zeitgenössischen Kontext einzuordnen.

    Das macht der in Schweden lehrende Historiker Werner Schmidt, dessen gerade erschienene Biografie über Peter Weiss sich auf viel unbekanntes Archivmaterial und auf Zeitzeugenberichte stützt.

    Buch: Werner Schmidt, Peter Weiss – Biographie, Suhrkamp Verlag 2016

    Julian Schütt

  • Wiedergelesen: «Die Ästhetik des Widerstands»

    Eine Berg- und Talfahrt hat Felix Schneider erlebt, als er sich die drei Bände von Peter Weiss Hauptwerk vierzig Jahre nach Erscheinen (wieder) vorgenommen hat.

    Durststrecken, gefüllt mit Polit-Debatten wechseln ab mit der Begeisterung über sprachlich hinreissende Bildbeschreibungen und gelegentlichen Glücksgefühlen ob der Gewinnung historischer Erkenntnisse.

    Drängende Fragen stellen sich: Ist das ein Geschichtsbuch, ein Roman, eine neue Darstellungsform? Warum war uns die Zeit von Faschismus, Stalinismus und Sozialstaat so lange so fern und warum kommt sie uns gerade wieder näher?

    Felix Schneider

  • Peter Weiss auf der Bühne: Zwischen Aktivismus und Reflexion

    Seine Theaterstücke schaffen es nur noch selten auf die Theaterbühnen. Umso erstaunlicher, dass das HAU Theater am Hebbel in Berlin anlässlich des hundertsten Geburtstags ein ganzes Festival zu Peter Weiss ausrichtete und dabei die «Ästhetik des Widerstands» ins Zentrum stellt.

    Fünf international bekannte Theatermacher aus Chile, Kroatien, Moldawien und dem Libanon haben dafür neue Produktionen kreiert, sich von Peter Weiss inspirieren und anregen lassen, um über heutige (künstlerische) Formen von Widerstand nachzudenken. Und siehe da: Das internationale politische Theater lebt!

    Dagmar Walser

Autor/in: Felix Schneider, Julian Schütt, Dagmar Walser, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Noemi Gradwohl