Inspiration oder Geschichte? - Perspektiven auf Bertolt Brecht

  • Dienstag, 7. Februar 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 7. Februar 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 7. Februar 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Brecht, der politische Autor. Brecht, der Frauenheld. Brecht, der Staatsdichter der ehemaligen DDR. Die Bilder von Bertolt Brecht sind gemacht und wirken nicht selten historisch veraltet oder gar museal. Doch es gibt auch Spuren und Lektüren seines Werkes, die direkt zum heutigen Theater führen.

Das Institut für angewandte Theaterwissenschaften in Giessen wäre ohne Bertolt Brecht nicht denkbar. Am Anfang dieser Kaderschule für performative Theaterformen stehen nämlich die beiden Brechtexperten Andrzej Wirth und Hans-Thies Lehmann («Postdramatisches Theater»).

Gerade die Auseinandersetzung mit Brechts «Fatzer»-Fragment hat Regisseure wie René Pollesch zu Theaterarbeiten angeregt, die wegweisend fürs zeitgenössische Theater sind. Im französischen Theater besinnt sich eine jüngere Generation von Theaterschaffenden gerade wieder auf Brechts Frühwerk.

Bertolt Brecht, ein alter Hut? Von wegen! Wer die richtigen Geschichten erzählt und sich auf die unvoreingenommene Lektüre seines Werkes einlässt, findet in Bertolt Brecht einen Vordenker des heutigen Theaters. Und lernt gleichzeitig einen anderen Brecht kennen als den ideologisch vereinnahmten Staatsdichter oder den zahnlos gewordenen Kritiker aus den Schulbüchern.

Buchhinweis:
Hans-Thies Lehmann: Brecht Lesen. Theater der Zeit Verlag Berlin 2016

Beiträge

  • «In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen»

    Als Bertolt Brecht und Helene Weigel 1948 – nach einem kurzem Aufenthalt in Zürich – aus dem Exil nach (Ost-)Berlin zurückkamen, befanden sie sich in einer komplizierten Situation.

    Sie wollten endlich ihre Theaterpraxis weiterentwickeln und wurden gleichzeitig von der noch jungen DDR politisch vereinnahmt.

    Die Berliner Theaterkritikerin Christine Wahl über Brechts Umgang mit dieser Ambivalenz, sein Werk und dessen Bedeutung fürs heutige Theater.

    Dagmar Walser

  • Für eine Öffnung des Theaters hin zur Performancekunst

    Als der polnische Theaterwissenschaftler Andrzej Wirth 1983 in Giessen das Institut für angewandte Theaterwissenschaften gründete, hatte er sich schon einen Namen als wichtigen Brechtforscher und –vermittler gemacht.

    Mit Hans-Thies Lehmann holte er sich zudem einen Partner ins Boot, der sich ebenfalls ein Leben lang mit Brechts Werk beschäftigt.

    Somit steht am Anfang der Theaterausbildung in Giessen, die Autoren und Regisseure wie René Pollesch und Kollektive wie «She She Pop» und «Rimini Protokoll» hervorgebracht hat, die experimentelle und unideologische Lektüre von Bertolt Brecht.

    Andreas Tobler

  • Aufbruch im französischen Theater: Brecht erneuert das Theater

    Seit den frühen 50er Jahren hat Brecht das französische Theater immer wieder grundlegend inspiriert. Unvergessen ist für viele das Gastspiel von Brechts Berliner Ensembles mit «Mutter Courage» 1953 in Paris.

    Der Kulturphilosoph Roland Barthes spricht gar von der «révolution brechtienne» im französischen Theater. Aber gerade auch heute wieder interessieren sich jüngere Theaterschaffende für das Werk von Bertolt Brecht, zum Beispiel die Regisseurin Christine Letailleur, die dieser Tage Brechts erstes Theaterstück, «Baal», inszeniert.

    Andreas Klaeui

Autor/in: Dagmar Walser, Andreas Tobler, Andreas Klaeui, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Michael Sennhauser, Dagmar Walser