Irlands jahrzehntelange Ausgrenzung von Andersartigkeit

  • Montag, 14. August 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 14. August 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 14. August 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Irland wurde immer wieder als Vorbild für die Bestrafung des Missbrauchs von Kindern genannt. Der irische Weg bei der Bewältigung dieses Skandals ist aber nicht gradlinig verlaufen. Auch ist er noch nicht ganz zurückgelegt.

Jahrzehntelang hat Irland Andersartigkeit drastisch bestraft. Wer nicht den Moralvorstellungen der katholischen Kirche entsprach, etwa unverheiratete Frauen, die schwanger wurden, wurden ausgegrenzt, weggesperrt, misshandelt und ausgebeutet. Auch ihren unehelich geborenen Kindern widerfuhr Schreckliches.

Als Mitte der 1990er Jahre die ersten Fälle bekannt wurden, war die irische Oeffentlichkeit schockiert. Man fragt sich: Wie konnte es so weit kommen? Und wie hat sich die irische Gesellschaft seither entwickelt?

Beiträge

  • Frauen und Kinder, welche der erzkonservativen Moral in Irland nicht entsprachen, wurden weggesprerrt, geschlagen oder sexuell missbraucht.

    Einsperren, ausbeuten, misshandeln

    Ein unseliges Machtkartell aus katholischer Amtskirche und willfährigen Staatsvertretern diskriminierte von ungefähr 1940 bis in die Siebzigerjahre alle, die einer erzkonservativen Moral nicht entsprachen.

    Ledige Schwangere, uneheliche Kinder, unverheiratete Mütter wurden weggesperrt, geschlagen und nicht selten sexuell missbraucht.

    Wie war es möglich, dass jahrzehntelang über dieses Unterdrückungssystem geschwiegen wurde? Ein Gespräch mit Irland-Korrespondent Martin Alioth.

    Hansjörg Schultz

  • 2014 wurde ein Massengrab mit Überresten von rund 800 Kindern in Tuam gefunden.

    Kindertötungen in westirischem Städtchen Tuam

    Was karitativ «Mutter-und-Kind-Heim» hiess, konnte die Hölle sein. Eine Kommission veröffentlichte dieses Jahr die Ergebnisse der Untersuchung eines 2014 entdeckten Massengrabs bei einem Heim im westirischen Tuam.

    Das Grab enthielt die Ueberreste von rund 800 Kindern. Betrieben hatte das Heim bis 1961 die Kongregation der Schwestern von Bon Secours. Tuam war eine von zehn Institutionen, in denen insgesamt 35'000 ledige Mütter festgehalten wurden und zum Teil Zwangsarbeit verrichteten.

    Thomas Kruchem

  • Als erstes Land hat Irland per Volksabstimmung die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare eingeführt.

    Das rasante irische Umdenken

    Als die Verbrechen von Kirchenangehörigen ab Mitte der 1990er Jahre nach und nach bekannt wurden, gingen Schockwellen durch die irische Oeffentlichkeit. Der Einfluss der katholischen Amtskirche kollabierte.

    Seither denkt Irland um – in rasanter Geschwindigkeit: Als erstes Land hat Irland per Volksabstimmung die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare eingeführt, die Abtreibungsfrage ist in Bewegung, und die multikulturelle Gesellschaft ist auch auf der grünen Insel entstanden.

    Ein Land wandelt sich schnell und grundlegend. Der zweite Teil unseres Gesprächs mit Martin Alioth.

    Hansjörg Schultz

Autor/in: Hansjörg Schultz, Martin Alioth, Thomas Kruchem, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Raphael Zehnder, Christoph Keller