Jesper Juul: Der Leitwolf der Leitwölfe

  • Mittwoch, 4. Mai 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 4. Mai 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 4. Mai 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Jesper Juul, der Rettungsanker für Eltern in Erziehungsnöten hat seine Stimme verloren. Aber zu sagen hat er immer noch viel. Kontext gibt ihm auf ungewöhnliche Weise die Stimme zurück.

Er gilt als Familienflüsterer. Als Guru der Gelassenheit. Als Sokrates unter den Pädagogen: Jesper Juul, dänischer Bestsellerautor und Erziehungsberater. Der Lebemann und Kettenraucher hat nun krankheitsbedingt seine Stimme verloren. Aber zu sagen hat er immer noch viel. Um ihn und um sein neues Buch «Leitwölfe sein- Liebevolle Führung in der Familie» geht es in Kontext.

Cornelia Kazis hat mit ihm ein fiktives Interview geführt. Seine Antworten sind wörtliche Zitate aus seinem letzten Werk. Den Realitätscheck seiner Gedanken machen in der anschliessenden Diskussion drei Menschen, die auf unterschiedliche Weise viel mit Kindern und Familie zu tun haben



Beiträge

  • Wölfe als Inspiration: Führung übernehmen, damit die Kinder nicht die Leitwölfe sind.

    Vom sozialen Wolf

    «Wir können von den Wölfen viel lernen», sagt der pädagogische Tausendsassa. «Beziehung und Vertrauen». Es sei wichtig, dass Eltern die Führung übernehmen im Unternehmen Familie. Damit die Kinder nicht zu Leitwölfen werden und die Eltern orientierungslos durch den Wald streifen.

    Der erfahrene Erziehungsberater zeigt Eltern, was es heisst, die Führung zu übernehmen, ohne Herrschende zu sein.

    Cornelia Kazis

  • Nach Jesper Juul macht Erziehung Kinder zu Objekten. Er plädiert für Führung und Gleichwürdigkeit.

    Führung statt Erziehung

    Erziehung macht aus Kindern Objekte. Führung nicht. Juul liegt viel an den Chancen die in einer Subjekt- Subjektbeziehung liegen. In diesem Zusammenhang hat der bekanntbeliebte Erziehungsberater auch einen Begriff geprägt: Gleichwürdigkeit.

    Sie ist seiner Meinung nach entscheidend für die Qualität der Beziehung. Wie realistisch ist das Konzept der Gleichwürdigkeit im manchmal stürmischen Erziehungsalltag?

    Cornelia Kazis

  • Die persönliche Autorität bassiert auf Selbsterkenntnis, Selbstachtung, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.

    Persönliche Autorität statt Herrschaft

    Herrschaft basiert auf Hierarchiegefälle, Altersunterschied oder Geschlechterdifferenz. Das hat nichts mit Gleichwürdigkeit zu tun. Die Basis der persönlichen Autorität basiert auf Selbsterkenntnis, Selbstachtung, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.

    Juul plädiert dafür, dass Eltern ihre Werte und Genzen ernst nehmen, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, sich aufzublasen. Was heisst das? Erziehungsexperten diskutieren darüber.

    Cornelia Kazis

  • Selbstvertrauen ist an eine Tätigkeit gebunde, Selbstwert ist ein existenzielles Phänomen.

    Selbstvertrauen und Selbstwert

    Juul bedauert, dass Selbstwert und Selbstvertrauen stetig verwechselt werden.

    Während das Selbstvertrauen an eine Tätigkeit, an Leistung und an Erfolgserlebnisse gebunden ist, sieht der alte Däne im Selbstwert ein existentielles Phänomen, dessen Entwicklung nahezu vollständig von der elterlichen Führung abhängt.

    Cornelia Kazis

Autor/in: Cornelia Kazis, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Dagmar Walser