Komplementärmedizin auf dem Vormarsch

  • Mittwoch, 8. Juni 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 8. Juni 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 8. Juni 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Mit grossem Mehr sagte das Schweizer Stimmvolk 2009: Es will Komplementärmedizin! Auch wenn die wissenschaftlichen Belege dafür umstritten sind. Nun liegt ein Umsetzungsvorschlag vor. Kontext nimmt das zum Anlass, genauer hinzuschauen auf die Diskussion rund um die Komplementärmedizin.

Der Entscheid an der Urne 2009 war klar: Das Schweizer Stimmvolk will, dass die Komplementärmedizin im Schweizer Gesundheitswesen besser verankert wird. Nun legt das Bundesamt für Gesundheit einen Umsetzungsvorschlag vor. Nach 20 Jahren Diskussion sollen nun einige komplementärmedizinische Fachrichtungen in den Leistungskatalog der obligatorischen Krankenversicherung aufgenommen werden – und zwar diesmal definitiv.

Kontext fasst den jahrelangen Streit zusammen, stellt den neuen Vorschlag vor, lässt Befürworter und Gegner zu Wort kommen und fragt: Wie hat eigentlich die Chiropraktik den Weg von der alternativen Heilmethode zu einer schulmedizinischen geschafft? Und was soll ausschlaggebend sein dafür, ob eine Therapie angewandt werden darf oder nicht? Darf auch das Arztgespräch nützen oder der reine Glaube an eine Therapie – wenn also die Wirkung einer Therapie zu grossen Teilen auf den sogenannten Placebo-Effekt zurückzuführen ist? Hat nicht Recht, wer heilt? Doch mit welchen Argumenten kann man dann Scharlatanen einen Riegel schieben? Sind eidgenössisch geprüfte Naturheiler vielleicht eine Lösung? Kontext sucht Antworten auf diese Fragen.

Beiträge

  • Soll die obligatorische Krankenversicherung für Chügeli & Co bezahlen? Darüber ist man sich uneins.

    Der lange Streit um Chügeli & Co

    Soll die Komplementärmedizin von der obligatorischen Krankenversicherung bezahlt werden, ja oder nein? Darüber wurde in der Schweiz 20 Jahre lang diskutiert – die Chronologie.

    Pascal Biber

  • Auch Akupunktur ist Teil der Komplementärmedizin.

    Erfolg für die Komplementärmedizin

    Ab 2017 sollen gewisse Fachrichtungen der Komplementärmedizin von der Grundversicherung bezahlt werden. Die Anhänger der Komplementärmedizin sind zufrieden, kritische Stimmen sind nur noch wenig zu vernehmen.

    Pascal Biber

  • Die Chiropraktik verdankt ihre heutige Position als anerkannte Medizin dem Druck der Öffentlichkeit.

    Die Chiropraktik als Vorreiterin

    Das Volk möchte eine andere Medizin als das Establishment – diese Situation gab es in der Schweiz schon einmal. Nämlich als im letzten Jahrhundert um die Chiropraktik gekämpft wurde.

    Wie bei der aktuellen Diskussion um Homöopathie & Co verdankt die Chiropraktik ihre heutige Position als anerkannte Medizin dem Druck der Öffentlichkeit.

    Odette Frey

  • Die Schroepfmethode.

    Eidg. dipl. Naturheilpraktiker

    Komplementärmedizin wird auch in rund 15' 000 Praxen von Naturheilern und Komplementärtherapeuten betrieben - also von Personen, die keine Ärzte sind.

    Als Folge des Volksentscheids von 2009 können solche Praxenbesitzer neu «diplomiert» auf ihr Namensschild schreiben. Was bringen diese Diplome den Patienten und Patientinnen?

    Karoline Thürkauf

  • Umstritten: Das Placebo.

    Welche Medizin wollen wir?

    Die Diskussion um Komplementärmedizin und Schulmedizin dreht sich häufig um den Placebo-Effekt. Dieser kann tatsächlich Leiden lindern, hat aber ein schlechtes Image. Denn er dient auch dazu, unwirksame Behandlungen auszusortieren – gerade auch in der Schulmedizin, wo dies dringend nötig ist.

    Unwirksame Behandlungen verursachen hohe Kosten und können den Patienten und Patientinnen schaden.

    Pascal Biber und Odette Frey

Autor/in: Pascal Biber, Odette Frey, Karolin Thürkauf, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Raphael Zehnder