Künste im Gespräch geht spazieren

  • Donnerstag, 18. Mai 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 18. Mai 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 18. Mai 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Das gemächliche Schlendern ohne bestimmtes Ziel ist eine Kulturtechnik mit Geschichte. Wie der Spaziergang die Literatur prägt, die Wahrnehmung verändert und warum spazieren auch zur Wissenschaft taugt, dem geht Künste im Gespräch nach.

Spazieren ist keine Outdoor-Sportart. Anders als beim Joggen geht es nicht um Körpertraining, sondern um den Kopf. Ein waches Ich schlendert durch die Wirklichkeit und stellt sich ihr. Und so wird Spazieren auch als Kulturtechnik bezeichnet. Der Schriftsteller Robert Walser packte in seine berühmte Erzählung «Der Spaziergang» gar seine ganze Poetik. Der vor hundert Jahren erschienene Text zählt bis heute zu seinen wichtigsten Werken. Warum er das ist und wie man diese Erzählung heute, hundert Jahre später, lesen kann berichtet Reto Sorg vom Robert Walser-Zentrum.

Wie sich das Spazieren gar zur Wissenschaft nutzen lässt, darüber geben die neu publizierten Aquarelle des Soziologen Lucius Burckhardt Auskunft.

Für die Künstlerin Marie-Anne Lerjen sind Spaziergänge aber nicht nur Motive der Literatur oder Wissenschaft: Sie nutzt Spaziergänge für ihre Performances und erläutert im Gespräch, wie das gemeinsame Gehen die Wahrnehmung verändert.

Beiträge

  • Warum ist der Spaziergang so wichtig für die Literatur?

    Robert Walsers «Der Spaziergang»

    «Ich teile mit, dass ich eines schönen Vormittags, ich weiss nicht mehr genau um wieviel Uhr, da mich die Lust, einen Spaziergang zu machen...» So beginnt Robert Walsers berühmte Erzählung, die 1917 erschien.

    Hundert Jahre später beschäftigt sich ein mehrtägiges Symposium mit dem Text und seinen vielen Lesarten. Warum Spazieren für die Literatur so wichtig ist, darüber spricht Brigitte Häring mit Reto Sorg vom Berner Robert Walser-Zentrum.

    Brigitte Häring

  • Beim spazieren kann man auch seine eigene Wahrnehmung schärfen.

    Spaziergangswissenschaft und landschaftstheoretische Aquarelle

    Vor knapp 40 Jahren erfand der Basler Soziologe Lucius Burckhardt die Spaziergangswissenschaft. In eigentlichen Happenings marschierte er mit seinen Studierenden durch Kassel, um die Wahrnehmung zu trainieren.

    Landschaftstheoretische Erkenntnisse hielt Burckhhardt in merkwürdig zarten Aquarellen fest. Erstmals versammelt ein Buch diese Aquarelle.

    Buchhinweis:Lucius Burckhardt: Landschaftstheoretische Aquarelle und Spaziergangswissenschaft. Martin Schmitz Verlag

    Karin Salm

  • Gehen als Kulturtechnik.

    Gehen als Kulturtechnik

    Marie Anne Lerjen betreibt seit fünf Jahren eine Agentur für Gehkultur. Sie leitet Gruppen zu besonderen Spaziergängen an, macht Orte und Räume durch kleine Regieanweisungen neu erfahrbar.

    Im Studio erzählt sie, wie sie zum Spazieren gefunden hat, wie einer ihrer Spaziergänge ablaufen kann, und warum die Worte «schlendern» oder «ausschreiten» viel mehr über eine Gangart verraten als nur das Spaziertempo.

    Brigitte Häring

Autor/in: Brigitte Häring, Karin Salm, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Ellinor Landmann