Mach mal langsam! Zauberwort Entschleunigung

  • Dienstag, 29. November 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 29. November 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 29. November 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Entschleunigung ist das Schlagwort der Stunde. Kaum ein Lebensbereich, in dem sie nicht gefordert wird: Von «Slow Food» über «Slow Science» bis «Slow Journalism». Aber ist langsamer wirklich immer besser?

Es begann vor 30 Jahren. Eine kleine Gruppe von Menschen protestierte gegen die Eröffnung der ersten McDonalds-Filiale in Rom. Daraus entwickelte sich eine der wichtigsten Gastronomiebewegungen unserer Zeit: Slow Food. Und das ist noch lange nicht alles, denn die Forderung nach Entschleunigung hat sich mittlerweile in fast allen Bereichen des Lebens etabliert – von «Slow Travel» über «Slow Science» und «Slow Journalism» bis «Slow Sex».

Kurz: Tempo scheint der Ursprung allen Übels. Kontext nimmt darum den Fuss vom Gas und fragt: Was genau bedeutet Entschleunigung? Was bringt sie – und zu welchen Kosten? Und ist langsamer wirklich immer besser?

Beiträge

  • Wider die McDonaldisierung – die Geburt von Slow Food

    Mit einer öffentlichen Spaghettata auf der Spanischen Treppe begann alles: 1986 rief eine Handvoll piemontesischer Aktivisten aus der linken Szene rund um Carlo Petrini zu einem Protestessen gegen ein neue McDonalds-Filiale auf. «Slow Food statt Fast Food» war das Schlagwort.

    Drei Jahre später wurde daraus eine internationale Bewegung, in der komischen Oper in Paris wurde «Slow Food International» gegründet und ein Manifest für Genuss und wider «Fast Life» verfasst.

    Brigitte Häring

  • Die Schnecke in rasanter Fahrt: Slow Food heute

    Das Symbol von Slow Food ist heute die Schnecke, auf der ganzen Welt an Restaurants und auf Produkten zu finden, Spitzenköche schmücken sich gerne mit dem Prädikat «Slow», und der Begriff ist längst zum saloppen Schlagwort der Gastroszene geworden.

    Was ist noch übrig von der ursprünglichen Idee hinter Slow Food? Wie politisch ist die Bewegung heute noch in Zeiten all der Hypes um Foodblogs, Kochshows, Popup-Restaurants und schicken Hochglanzmärkten? Eine Spurensuche am Slow Food Market in Zürich.

    Brigitte Häring

  • Slow Science – warum auch die Wissenschaft mehr Zeit braucht

    Langsame Wissenschaft? Das klingt paradox. Wissenschaft muss doch innovativ sein, muss neues Wissen für die Gesellschaft generieren, muss Lösungen für drängende Probleme finden – sei das nun der Klimawandel, Krebs oder die Frage, ob Frühfranzösisch sinnvoll ist oder nicht.

    Und diese Lösungen müssen schnell kommen. Doch wenn sie auch verlässlich sein sollen, dann braucht das eben Zeit, sagt der Ökologe Christoph Küffer von der Hochschule für Technik Rapperswil und der ETH Zürich.

    Pascal Biber

  • Slow Journalism – sollten auch Medien einen Gang runterschalten?

    Recherchen über Monate hinweg. Magazine so dick wie Bücher. Texte, dutzende von Seiten lang. Multimedia-Reportagen für Anspruchsvolle. Erkenntnisgewinn durch Langsamkeit. Das ist das Versprechen von «Slow Journalism».

    Kontext besucht Patrick Vallélian, den Chefredaktor von «sept.info», einer Westschweizer Web-Plattform mit einer Best-of-Ausgabe auf Papier für «langsamem Journalismus» und fragt: Warum braucht es das? Wie finanziert man das? Und wer will das überhaupt lesen?

    Pascal Biber

  • Ist langsam wirklich besser? Was die Psychologie dazu sagt

    Die Forderung nach Entschleunigung ist nicht neu. Bereits während der Industrialisierung warnten Zeitgenossen vor den Folgen der Beschleunigung – etwa Ohrensausen durch Eisenbahnfahren. Heute gilt Zugfahren eher als entschleunigte Fortbewegungsart.

    Wann wird die Beschleunigung des Lebens also wirklich ungesund? Was bedeutet Entschleunigung überhaupt genau? Dinge langsamer tun? Oder weniger tun? Und ist die ganze Wellnessindustrie rund um die Enschleunigungs-Bewegung nicht kontraproduktiv? Antworten vom Gesundheitspsychologen Olaf Morgenroth.

    Pascal Biber

Autor/in: Pascal Biber, Brigitte Häring, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Ellinor Landmann