Provokation statt Argumentation

  • Dienstag, 30. August 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 30. August 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 30. August 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Zu den Grundwerten der westlichen Demokratien gehörte der politische Diskurs. Argument traf auf Gegenargument. Populistische Parteien verzichten aufs Argumentieren, ihre Sprache ist die Provokation.

Populistische Parteien pflügen diesseits und jenseits des Atlantiks die Politik um. Sie nutzen die Unsicherheit der «alten» Parteien im Angesicht von Terrorgefahr und Flüchtlingskrise, um mit simplen Rezepten wie «Grenzen dicht» oder «Muslime raus» zu punkten. Sie setzen auf das Bauchgefühl und nicht auf den Kopf.

Trump, Le Pen, Petry und die Brexit-Vertreter haben Parolen parat, während Politiker bisher sorgsam ein Für und Wider abwägten. Differenzierende Medien werden als «Lügenpresse» abgetan. Und auch in der Schweiz blühen Kraftparolen.

Was kann getan werden, um den populistischen Vereinfachern nicht das Feld zu überlassen? Welche Entwicklungen beobachtet der Linguist Martin Luginbühl (Universität Basel)?

Beiträge

  • Bei Donald Trump hat die Provokation System.

    Provokation als Methode

    Kaum ein Tag vergeht, an dem US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump nicht provoziert und damit dafür sorgt, dass er auf allen Kanälen präsent ist. Er verschiebt damit die Grenze des im politischen Diskurs Erlaubten.

    Ohne Unterlass stellt Trump das demokratische System in Frage, und ständig stellt er die Medien, die ihn kritisieren, als unglaubwürdig dar.

    Priscilla Imboden

  • «Provozieren geht über studieren» könnte der Leitsatz der AfD sein.

    Provozieren - und dann zurückrudern

    Bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern am nächsten Wochenende könnte laut einer Umfrageprognose der ARD die AfD zur zweitstärksten Partei werden.

    Die rechtspopulistische AfD hat in kurzer Zeit die deutsche Politiklandschaft erschüttert, indem sie einen neuen Tonfall hineinbrachte. Doch die Partei der kernigen Aussagen verstrickt sich auch in interne Profilierungskämpfe.

    Wolf-Sören Treusch

  • Marine Le Pen hat sich vom provokativen Stil ihres Vaters verabschiedet und eilt von Wahlerfolg zu Wahlerfolg.

    Der «Front National» auf Schmusekurs

    Marine Le Pen, die Tochter des Parteigründers und seit 2012 an der Spitze des französischen «Front National», rechnet sich gute Chancen aus, bei den Präsidentschaftswahlen 2017 bis in den entscheidenden zweiten Wahlgang vorzustossen.

    Sie hat es geschafft, den «Front» zu einer der wählerstärksten Parteien zu machen. Ihr Erfolgsrezept: keine Provokationen, keine rhetorischen Entgleisungen, keine anti-semitischen Tiraden. Marine le Pen tut alles, den «Front National» als normale, staatstragende Partei zu präsentieren.

    Charles Liebherr

  • Christoph Blochers SVP hat den ewigen Wahlkampf in der Schweizer Politik eingeführt.

    «Mit <Nein> immer gut gefahren»

    Denkt man in der Schweiz an politische Reden, denkt man sehr bald an die Albisgüetli-Tagung der SVP. Die wählerstärkste Partei des Landes, die bei den letzten Nationalratswahlen 29.4% der Stimmen erhalten hat, lädt jeweils Anfang Jahr zur Standortbestimmung.

    Hier lässt sich anhand der Ansprachen der Parteiprominenz hören, welche Prioritäten die SVP setzt. Und zu beobachten ist hier, wie die wichtigsten Stimmen der Partei argumentieren. Auch dieses Jahr sprach dort Christoph Blocher.

    Raphael Zehnder

Autor/in: Priscilla Imboden, Charles Liebherr, Wolf-Sören Treusch, Raphael Zehnder, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Sabine Bitter