Richtiges Wissen – und falsches, das von Nutzen sein kann

  • Mittwoch, 28. Oktober 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 28. Oktober 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 28. Oktober 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Der Mediziner Max von Pettenkofer rettete aufgrund einer falschen Theorie über die Cholera Tausende von Menschenleben. Er gab den Anstoss zur Sanierung der Städte und machte aus der Hygiene eine der ersten modernen Disziplinen der Medizin. Wie entsteht gültiges Wissen? Wie kann es sich verbreiten?

Mit einem Porträt des Münchner Mediziners Max von Pettenkofer (1818-1901) und einer Diskussion des Biologen Kurt Bürki, emeritierter Professor für Labortierkunde an der Universität Zürich, und Flurin Condrau (Professor für Medizingeschichte an der Universität Zürich) versucht «Kontext» zu ergründen, wie gültiges Wissen entsteht.

Welche Faktoren begünstigen diesen Prozess? Welche Etappen durchlebt eine Theorie bis zum Beweis? Wie kann sich eine Erkenntnis durchsetzen und allenfalls politische Massnahmen auslösen?

Beiträge

  • Cholera – gleichgesetzt mit dem Tod an sich: Illustration auf der Titelseite von «Le Petit Journal».

    Ein Genie und eine falsche Theorie, die viele Leben rettete

    Um 1820 kam die Cholera nach Europa. Immer wieder zog die Seuche durch Paris, London, Hamburg, München. Tausende starben. Doch die Ansteckungswege der Krankheit blieben unklar, die Bekämpfung kaum möglich.

    Mitte Jahrhundert stellte der Münchner Mediziner Max von Pettenkofer eine Choleratheorie auf. Sie war zwar falsch, löste aber Massnahmen aus, die Tausenden das Leben rettete: Die Städte erhielten Kanalisationen und sauberes Wasser. Die Städte-Sanierung ist Pettenkofers Verdienst, aber sein Erbe ist grösser: Er machte aus der Hygiene eine der ersten modernen Disziplinen der Medizin.

    Thomas Häusler

  • Flurin Condrau ist Medizinhistoriker an der Universität Zürich.

    Wie entsteht gültiges Wissen?

    Wissen ist nicht einfach da. Es entsteht, durch Forschung, durch Theorien, die bestätigt oder verworfen werden. Und manches Wissen kann sich nicht ungehindert verbreiten, weil ihm politische Machtverhältnisse entgegenstehen.

    Der Biologe Kurt Bürki, emeritierter Professor für Labortierkunde an der Universität Zürich, und der Medizinhistoriker Flurin Condrau, Professor an derselben Universität, unterhalten sich über die Wege der Forschung - und über Widerstände, günstige Faktoren und Mechanismen des wissenschaftlichen Wettbewerbs um die bessere Theorie.

    Bernard Senn

Autor/in: Thomas Häusler und Bernard Senn, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Raphael Zehnder