Schalom Chaver! Gedenken an Jizchak Rabin

  • Mittwoch, 4. November 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 4. November 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 4. November 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Vor 20 Jahren wurde Jizchak Rabin von einem jüdischen Extremisten in aller Öffentlichkeit ermordet. Kurz zuvor hatte er vor Tausenden Friedensbewegten in Tel Aviv eine zuversichtliche Rede gehalten. Rabin war vom Erfolg des Friedensprozesses überzeugt. Wie geht Israel heute mit dem Erbe Rabins um?

Der Mord an ihrem Ministerpräsidenten Jizchak Rabin erschütterte die israelische Gesellschaft in ihren Grundfesten. Auch am 20. Jahrestag des tödlichen Attentats fliessen viele Tränen, und dies nicht nur bei Linksorientierten.

Das Gedenken spielt sich zeitgleich mit einer Terrorwelle ab. Täglich werden Messerstecherattacken gemeldet. Die aktuelle Anspannung ähnle derjenigen von damals, analysiert der Politikwissenschaftler José Brunner von der Uni Tel Aviv. Neu sei hingegen die religiös aufgeladene Radikalisierung bei Israelis und Palästinensern.

In einer Gedenkrede an die Nation plädierte Staatspräsident Reuven Rivlin für Einheit in der tief gespaltenen israelischen Gesellschaft als Mittel gegen Gewalt.

Beiträge

  • Jizchak Rabin in Bonn, 1993.

    Ein Dokfilm über den Mord an Jizchak Rabin

    Am Filmfest von Venedig präsentierte der israelische Filmemacher Amos Gitai seinen kritischen Dokumentarfilm über den Mord an Jizchak Rabin.

    Er zeigt auf, wie gespalten die israelische Gesellschaft schon 1995 war und wie man damals die Rechtsextremen im Land unterschätzte.

    Peter Claus

  • Kurz nach dem Attentat auf Jizchak Rabin trauern tausende Israelis auf der Strasse.

    Als Rabin ging, kam Extremismus

    Der gebürtige Schweizer José Brunner lehrt an der Uni Tel Aviv Politikwissenschaften und Ideengeschichte. Er konstatiert den Zusammenbruch der Linken Israels und damit auch der Friedensbewegung.

    Gewonnen haben die Extremisten beider Seiten. In deren Argumentationen werden religiöse Aspekte immer wichtiger, was eine Lösung der Konflikte immer schwieriger macht, etwa im Streit um den Jerusalemer Tempelberg.

    Auch Brunner hat den Mord an Jizchak Rabin als Schock erlebt, der bis heute in der israelischen Gesellschaft weiter wirkt.

    Judith Wipfler

  • Amos Oz im Heinrich Heine Institut in Düsseldorft, Dezember 2008.

    Der Verräter. – Das neue Buch von Amos Oz «Judas»

    Von rechtsgerichteten Israelis wurde Jizchak Rabin als Verräter beschimpft und in Naziuniform übel karikiert. Er ist nicht der erste Visionär in der jüdischen Geschichte, der als Verräter ausgegrenzt wurde, wie Amos Oz in seinem Roman «Judas» zeigt.

    Dabei wäre das Christentum ohne den «Verrat» des Judas gar nicht möglich gewesen, meint der Hauptprotagonist des Romans. Das Buch stellt auch in Bezug auf die Geschichte des modernen Staats Israel immer wieder die Frage: Was wäre gewesen, wenn?

    David Vogel

Autor/in: Judith Wipfler, Peter Claus und David Vogel, Moderation: Gabriela Kägi, Redaktion: Sabine Bitter