Schmerz und Leid. Wozu soll das gut sein?

  • Mittwoch, 8. April 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 8. April 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 8. April 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Wenn es weh tut, will man, dass es aufhört. Je schneller desto besser. Und dafür sorgen potente Schmerzkiller. Und doch leiden in Deutschland 16 Millionen andauernd oder wiederkehrend an Schmerzen. Was ist da los?

Schmerz ist die Grenzfläche, an der Psyche und Körper aufeinandertreffen. Er ist Wundschmerz und Trennungsschmerz, ist körperliche und seelische Verletzung. Er ist die Grundlage vieler Religionen und Motor der Kultur.

Ohne Schmerz keine Kunst, keine Sprache, und kein Denken. Bis heute gibt der Schmerz grosse Rätsel auf. Harro Albrecht, Arzt, Herzpatient und Wissenschaftsjournalist ist in seinem umfangreichen Buch dem «Geheimnis Schmerz» nachgegangen. Es heisst «Schmerz. Eine Befreiungsgeschichte». Albrechts Resumé: «Es ist an der Zeit, dass wir den Schmerz aus der Umklammerung der Medizin befreien.»

Harro Albrecht, Schmerz, eine Befreiungsgeschichte,

Pattloch Verlag, ISBN-Nr. 978-3-629-13038-9

Beiträge

  • Und jetzt tut es weh.

    Der akute Schmerz

    Harro Albrecht geht davon aus, dass Schmerz sehr viel mehr ist als ein einfaches Klingelzeichen am Ende einer Leitung. Er hat einen biopsychosozialen Ansatz. Das heisst: Erstens zeigt sich der Schmerz immer körperlich. Zweitens ist das Schmerzempfinden hochgradig subjektiv.

    Jeder empfindet das Körpersignal anders und auch jeder empfindet den gleichen Schmerz nicht immer gleich intensiv. Es kommt auf die Lebenssituation und die Umgebung an. Drittens ist Schmerz ein grosser Kommunikator. Er vermittelt sich per Sprache, Mimik und Gestik. So löst er bei anderen immer eine Reaktion aus.

    Cornelia Kazis

  • Das Seelenleid.

    Das Seelenleid

    Was bei körperlichem Leiden schon leicht passiert, ist erst recht bei seelischem Leid häufig: Es entfernt einem von den Anderen. Man ist im seelischen Leid verstrickt und geht als wundes Fühlwesen durch die «gleichgültige» Welt.

    Diese innere Isolation verstärkt den Seelenschmerz noch um ein Vielfaches und sehr häufig braucht es auch medikamentöse Unterstützung um überhaupt wieder gesellschafts- und kommunikationsfähig zu werden. Beispielsweise bei Depressionen ist das der Fall. Denn für die Schmerzforschenden gilt: Das Aufgehobensein in der Gemeinschaft ist ein wesentlicher Schmerzkiller.

    Cornelia Kazis

  • Der chronische Schmerz.

    Der chronische Schmerz

    Wir werden immer älter. Mit der erhöhten Lebenserwartung steigt die Betroffenheit von chronischen Erkrankungen. Und die tun oft weh: Rücken-, Gelenk- oder chronische Kopfschmerzen fordern die moderne Medizin mit ihrer Schmerzbekämpfungstechnologie nach wie vor sehr heraus.

    Immer mehr wird deutlich, wie entscheidet das Gefühl der Selbstwirksamkeit ist. Wer für sich nämlich Mittel und Wege findet, das eigene Weh zu kontrollieren, der erträgt den chronischen Schmerz besser und länger. Ausgeliefertheit erzeugt Stress. Und diese Form von Stress erhöht das Schmerzempfinden drastisch.

    Cornelia Kazis; Technik Christian Weber

Autor/in: Cornelia Kazis, Moderation: Hansjörg Schultz