Sie hat Bock. Über die Lust

  • Mittwoch, 11. April 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 11. April 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 11. April 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Während Jahrhunderten wurde Frauen* in unseren Breitengraden die Lust streitig gemacht. Auch heute müssen sie ihre Lust nach wie vor einfordern: Zwar ist die sexuell selbstbestimmte Frau* ein Ideal, gleichzeitig aber wird sie immer wieder abgewertet. Zeit also, über die Lust an der Lust zu sprechen.

«Du muesch chönne Nei sage», dieser Satz ist häufig etwas vom ersten, was junge Frauen* über Sex lernen. Ein Satz, der sie ein Leben lang begleitet. Klar, «Nein!» sagen und Grenzen setzen ist wichtig. Aber für eine selbstbestimmte, lustvolle Sexualität muss man auch «Ja» sagen können: Ja zur Lust, ja zum Körper, ja zu den eigenen Bedürfnissen.

Aber Frauen*, die «Ja!» sagen, provozieren noch immer. Warum? Gilt Lust und Sexualität immer noch als ein männliches Privileg? Und wie lassen sich alte Vorstellungen überwinden?

Literatur

  • Sandra Konrad: "Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will, was er will". München, 2017
  • Daniel Bergner: «Die versteckte Lust der Frauen: Ein Forschungsbericht». München, 2014
  • Ellen Støkken Dahl und Nina Brochmann: «Viva la Vagina!: Alles über das weibliche Geschlecht». Frankfurt am Main, 2017


Anmerkung: Mit dem Sternchen* wird Raum symbolisiert für Personen, die sich in einem zweigeschlechtlichen System nicht wiederfinden. Gemeint sind auch alle, die sich hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität als Frau* begreifen, unabhängig von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht.

Beiträge

  • Khadijsha (links) und Ann

    Die Lustbiografien von zwei jungen Frauen*

    Khadija (24) und Ann (23) denken laut über die Lust an der Lust nach, über Unsicherheiten und darüber, dass Lust bereits in der Kindheit was Faszinierendes war.

    «Als Kind habe ich mir immer sexuelle Szenarien vorgestellt: Ich hab Disneyfilme weitergedacht: Was passiert nach dem Kuss?», meint Ann.

    «Beim Fussballspielen haben sich die Jungs* immer in den Schritt gefasst», so Khadija «und ich wusste schon damals: für ein Mädchen* gehört sich das nicht. Dabei musste ich mir doch auch hin und wieder die Unterhose richten.»

    Anna Jungen

  • Caroline Fux

    «Lust ist eine wunderbare Sprache. Und Sprachen muss man üben.»

    Caroline Fux ist Psychologin und Sex-Beraterin beim Blick. Sie sagt, das Bedürfnis nach Lust und Sex sei zwar individuell unterschiedlich stark ausgeprägt, aber auf die Geschlechter grundsätzlich gerecht verteilt.

    Gerade weibliche Lust aber würde häufig argwöhnisch betrachtet, der Fokus liege fast nur «auf der Verhinderung eines Schadens. Das ist schade», findet sie und rät zum lustvollen Ausprobieren und Kennenlernen der eigenen Bedürfnisse und Grenzen.

    Anna Jungen

  • Katja Lewina

    Was passiert, wenn eine Frau* über ihre Lust schreibt

    «Sex gehört in die seriöse Tagespresse», sagt die Autorin Katja Lewina, die regelmässig über Lust und Sex aus der persönlichen Perspektive schreibt. Dafür wird sie stark angefeindet. Trotzdem schreibt sie weiter.

    Julia Voegelin

Autor/in: Anna Jungen, Julia Voegelin, Maya Brändli, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Theresa Beyer