«Sweet Occupation» - Die Geschichte der Feinde erzählen

  • Mittwoch, 11. Oktober 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 11. Oktober 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 11. Oktober 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

In Israel war Lizzie Doron eine Ikone. Bücher wie «Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?» sind Schulstoff. Sie erzählen vom Trauma der Holocaust-Überlebenden. Doch dann wandte sich die heute 64jährige einem anderen Trauma zu: der Besatzung. Seither ist sie in ihrem Heimatland geächtet.

Schon «Who the Fuck Is Kafka», Dorons Doku-Roman über einen palästinensischen Filmemacher, fand in Israel keinen Verlag. Dem neuen Buch, «Sweet Occupation», ging es nicht anders. Es entstand auf Anregung eines palästinensischen Friedensaktivisten und ist das schonungslos offene und erschütternde Dokument eines heiklen Dialogs.

Bücher zum Thema:

Lizzie Doron. Sweet Occupation. Aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler. dtv Verlag, 2017.

Lizzie Doron. Who the Fuck Is Kafka. Aus dem Hebräischen übersetzt von Mirjam Pressler. dtv Verlag, 2016.

Beiträge

  • Lizzie DOron bei einer Buchpräsentation

    «Hinter mir die Nazis, vor mir die Araber»

    Lizzie Doron ist das Kind von Holocaust-Überlebenden und wuchs mit den Imperativen des jungen Staates Israel auf: Pioniergeist, Heroismus, Wehrhaftigkeit. Es gab Feindbilder – die Nazis, die Araber -, aber kein Verständnis für Leid und Trauma.

    Lizzie Doron war längst erwachsen, als sie wissen wollte, was Menschen wie ihre Mutter zu erzählen hatten. Heute ist es für sie trotz Ängsten und Vorurteilen an der Zeit, den Palästinensern zuzuhören. Ihr Fazit: «Es heisst immer, wir hätten keine ‘Partner. Aber es gibt Menschen, die man treffen kann.»

    Franziska Hirsbrunner

  • Bei den Combatants for Peace engagieren sich israelische wie palestinensische Aktivisten für den Frieden

    Über die «Mathematik des Nahen Ostens» hinaus

    Lizzie Doron und der palästinensische Friedensaktivist Mohammed Owedah kannten sich flüchtig. Ob Doron nicht ein Buch über die «Combatants for Peace» schreiben wolle, einer Gruppierung ehemaliger Kämpfer beider Seiten? Zögerlich lässt sich Lizzie Doron auf Gespräche ein.

    Anfangs überwiegt, was Doron «die Mathematik des Nahen Ostens» nennt: das gegenseitige Aufrechnen von Verlust und Leid. Doch mit der Zeit treten hinter dem Konflikt die Menschen hervor. – Literaturkritikerin Bernadette Conrad und Religionsredaktorin Judith Wipfler diskutieren «Sweet Occupation» mit Franziska Hirsbrunner.

    Franziska Hirsbrunner

  • Graphik eines Streetart-Künstlers in Bethlehem im palästinensischen Westjordanland

    Nur schon ein Gespräch bedroht die Identität

    Lizzie Doron lässt sich nur widerwillig auf den Dialog mit Palästinensern ein. Damit ist sie nicht alleine, viele Israelis und Palästinsenser wollen die Geschichte und das Leid der anderen Seite gar nicht hören.

    Denn wer sich auf den andern einlässt, muss seine eigene Identität in Frage stellen.

    Ein schwieriger und schmerzhafter Prozess. Denn die existentielle Bedrohung, die Israelis und Palästinenser fühlen, lässt die Fronten verhärten und verändert die Beteiligten. Der Psychologe Gabriel Strenger mit eigener Praxis in Jerusalem kennt dies aus eigener Erfahrung.

    Antonia Moser

Autor/in: Franziska Hirsbrunner, Antonia Moser, Judith Wipfler, Bernadette Conrad, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Theresa Beyer