Teure Leidenschaft für Klangkunst. Was motiviert Musik-Mäzene?

  • Dienstag, 16. Juli 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 16. Juli 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 16. Juli 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Der digital erschlossene Briefwechsel des Winterthurer Musikmäzens Werner Reinhart gibt Einblick in das Wirken einer prägenden Persönlichkeit des Schweizer Musiklebens. Wie haben sich die Prioritäten privater Musikförderung seither verändert? Ein Intendant und eine bekannte Mäzenin geben Auskunft.

Tausende Briefe hat der Winterthurer Musikmäzen Werner Reinhart hinterlassen. Er förderte Komponisten wie Igor Strawinsky, Paul Hindemith und Othmar Schoeck, spielte selbst sehr gut Klarinette und prägte bis zu seinem Tod 1951 auch das Programm des Musikkollegiums, das zu einem bedeutenden Orchester der klassischen Moderne wurde.

Reinharts Briefwechsels, wissenschaftlich erschlossen und mittlerweile digital zugänglich, gibt Aufschluss über seine Förderpolitik, seine persönlichen Beziehungen zu den Künstlern sowie seine Prinzipien als Mäzen. Angesichts dessen stellt sich die Frage: Was motiviert Mäzene und Musikfans heute, bedeutende finanzielle Mittel für die flüchtige Kunst der Musik auszugeben? Wie müssen Künstlerinnen und Veranstalter heute auf ein zahlungskräftiges Publikum zugehen, um Mittel einzuwerben, und wie hat sich die Szene in den letzten Jahren verändert?

Im Gespräch mit dem Festival-Intendanten Christoph Müller und einem Vertreter des Aargauer Kuratoriums kommen verschiedene Strategien zur Sprache. Und die erfolgreiche Krimi-Autorin Donna Leon verrät, wie sie ihre Passion für Händel-Opern zur Mäzenin werden liess.

Beiträge

  • «Ich bin ein Händel-Lunatic», sagt Donna Leon

    Ihre Liebe zur Oper ist bekannt: gleich in ihrem ersten Brunetti-Krimi lässt Donna Leon in Venedig den Dirigenten der Traviata zu Tode kommen. Hätte er allerdings Händel geliebt, wie die Autorin selbst - vielleicht wäre er dann am Leben geblieben.

    Für Händel tue sie alles, sagt Donna Leon, sie richtet ihre Agenda nach den Opern-Inszenierungen auf der ganzen Welt. Zudem hat die erfolgreiche Autorin eine Stiftung eingerichtet, um ein Barock-Orchester finanziell zu unterstützen. Die Rolle der Mäzenin ergab sich über die langjährige Freundschaft mit dem verstorbenen Dirigenten Alan Curtis.

    Gabriela Kaegi

  • Mäzen Werner Reinhart.

    «Stricte anonym…» - Werner Reinhart, Förderer und Mäzen

    Der Winterthurer Werner Reinhart, geboren 1884, war einer der wichtigsten Mäzene des Landes. Im Berufsleben Kaufmann, spielte er gut Klarinette - seine Passion waren Musik, Literatur und Kunst.

    Bis zu seinem Tod 1951 hat er stillen, aber prägenden Einfluss ausgeübt auf das kulturelle Leben der Schweiz. Und er schrieb und erhielt tausende von Briefen namhafter Künstler, die nun digital erschlossen sind und den Einfluss Werner Reinharts auf das europäische Musikleben eindrücklich belegen.

    Die Musikwissenschafterin Ulrike Thiele hat sich als Forscherin mit diesem Briefnachlass befasst.

    Andreas Müller-Crepon

  • Grossmäzene - ein Klumpenrisiko für Veranstalter?

    Mäzeninnen wie Donna Leon fördern ganze Produktionen. Wie aber sieht es aus, wenn statt einer Mäzenin mehrere Sponsoren oder sogar ganz viele Geld ausgeben, um Musikaufführungen zu ermöglichen?

    Einer der aktivsten Musikveranstalter der Schweizer Klassik-Szene ist der Intendant des Gstaad Menuhin Festivals, Christoph Müller.

    Auf seine Ausführungen antwortet für Kontext ein Kulturförderer der öffentlichen Hand, Stephan Diethelm. Der Vizepräsident des Aargauer Kuratoriums skizziert noch ein ganz anderes Modell der Kulturfinanzierung: Ein Künstler-Grundeinkommen.

    Benjamin Herzog

Autor/in: Andreas Müller-Crepon, Benjamin Herzog, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Dagmar Walser