Verflogene Hoffnungen auf einen arabischen «Frühling»

  • Dienstag, 1. März 2016, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 1. März 2016, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 1. März 2016, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Hoffnungen waren riesig, als es dem tunesischen Volk vor fünf Jahren gelang, auf gewaltlose Weise einen Regimewechsel zu erzwingen. Heute schwankt die Stimmung zwischen Resignation und Verzweiflung.

In den ersten Monaten des Jahres 2011 verbreitete sich der Funke der arabischen Aufstände von Tunesien aus nach Ägypten, nach Libyen und in zahlreiche andere arabische Länder. Es kam zu Erschütterungen, zu Regimewechseln und zu blutigen Bürgerkriegen. Heute, fünf Jahre später, ist die Ernüchterung gross.

Kontext richtet den Blick zunächst auf Tunesien und sendet mehrere Reportagen aus dem Ursprungsland der arabischen Aufstände.

Im Gespräch mit der Autorin Jasmin El Sonbati und dem Journalisten Beat Stauffer wird der Blick auch auf Ägypten und andere arabische Länder ausgeweitet und die Frage aufgeworfen, was die «Arabellion» in den Köpfen der Menschen und in den betreffenden Gesellschaften ausgelöst hat.

Beiträge

  • Mohamed Bouazizi starb am 17. Dezember 2010 in Sidi Bouzid.

    Resignation und Ratlosigkeit am Geburtsort der Revolution

    In der Provinzstadt Sidi Bouzid im tunesischen Hinterland hat sich im Dezember 2010 ein junger Gemüsehändler aus Verzweiflung über seine Lebensumstände das Leben genommen. In der Folge kam es in ganz Tunesien zu Aufständen.

    Heute gilt Sidi Bouzid als Ursprungsort der tunesischen Revolution. Fünf Jahre später ist die Stimmung gedrückt, und die Ideale der Aufständischen haben sich verflüchtigt. Viele der ehemaligen Revolutionsaktivisten haben resigniert, manche haben sich privaten Projekten zugewendet. Im Gespräch erklären vier junge Menschen aus Sidi Bouzid, welche Bilanz sie heute ziehen.

    Beat Stauffer

  • Weshalb konnten sich die Jungen nicht in die Politik einbringen?

    Die tunesische Jugend und ihre «gestohlene» Revolution

    Weshalb ist es den jungen Revolutionären in Tunesien nicht gelungen, ihre Anliegen in die Politik einzubringen oder eine eigene Partei zu gründen?

    Der Ökonom Walid Maaouia und der Historiker Mohamed Tlili suchen nach Erklärungen für die Ausgrenzung der jungen Generation im postrevolutionären Tunesien und sie gehen der Frage nach, ob die Revolution tatsächlich von Politikern für eigene Ziele umgelenkt oder gar gestohlen worden ist.

    Beat Stauffer

  • Kasserine gilt neben Sidi Bouzid als «Märtyrerstadt».

    Ankämpfen gegen die Resignation - ein Augenschein in Kasserine

    Kasserine gilt neben Sidi Bouzid als «Märtyrerstadt». Hier haben zu Beginn der tunesischen Revolution Dutzende junger Männer in Aufständen das Leben verloren. Auch in Kasserine herrscht Resignation. Doch das Alltagsleben geht weiter.

    Ein Polizeioffizier legt dar, wie er in Zukunft die Beziehung zwischen der Bevölkerung und den Sicherheitskräften sieht. Ein Aktivist einer Nichtregierungsorganisation, ein Unternehmer und ein Künstler erläutern, wie sie die Lage einschätzen und weshalb sie trotz aller Schwierigkeiten in Kasserine bleiben und weiterkämpfen wollen.

    Beat Stauffer

Autor/in: Beat Stauffer, Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Ellinor Landmann