Verstummt! – Musik und Zensur

  • Montag, 16. Januar 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 16. Januar 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 16. Januar 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

In 70 Ländern werden Lieder verboten, Musiker verhaftet oder sogar getötet. Musikzensur hat Hochkonjunktur! Wie und warum zensieren Regierungen wie China und der Iran Musik, wie fühlt es sich an, zensiert zu werden und wie kämpft man dagegen an?

Musik hören und Musik machen ist ein Menschenrecht – jedenfalls im Kontext der UNO-Menschenrechtscharta. Doch weltweit werden Musikerinnen und Musiker in ihren Menschenrechten beschnitten, dann, wenn sie sich in ihren Liedern nicht frei äussern dürfen – über Religion, Sexualität oder korrupte Regierungen.

China, der Iran, Russland, Türkei oder Burundi stehen auf der Rangliste der Musikzensur ganz oben, das sagt eine Analyse der NGO «Freemuse», eine dänische Organisation, die sich weltweit gegen Musikzensur einsetzt.

Kontext spricht mit Ole Reitov, Direktor von «Freemuse», über den aktuellen Stand der Musikzensur, porträtiert die tunesische Sängerin Emel Mathlouthi, die Zensur am eigenen Leib erlebt hat und der norwegische Musiker Moddi erzählt von seinem aktuellen Album, auf dem er zwölf verbotene Songs aus verschiedenen Ländern wiederbelebt.

Beiträge

  • Ole Reitov kämpft mit seiner NGO Freemuse gegen Musikzensur.

    Über Musikzensur und jene, die sie bekämpfen

    Mehrere tibetische Musiker sitzen derzeit in chinesischen Gefängnissen, weil sie in ihren Liedern die Tibet-Frage verhandeln. Iranische Frauen dürfen in der Öffentlichkeit keine Solokonzerte geben.

    Bei solchen Fällen wird die dänische NGO «Freemuse» aktiv, eine Organisation, die sich weltweit gegen Musikzensur einsetzt. Der Direktor Ole Reitov spricht über den aktuellen Stand der Musikzensur insbesondere im Iran und in China, erklärt, welche Auswirkungen Musikverbote auf die Gesellschaft haben und wie «Freemuse» Musikzensur bekämpft.

    Mariel Kreis

  • Die tunesische Sängerin Emel Mathlouthi.

    Zensur als Erfahrung

    Die tunesische Sängerin Emel Mathlouthi hat am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, zensiert zu werden. Bevor sie 2012 ihre Heimat verliess, wurde ihr Song «Kelmti Horra» («Das Wort ist frei») zur Hymne des «Arabischen Frühlings».

    Was bedeutet Zensur für die Karriere einer politisch engagierten Künstlerin?

    Theresa Beyer

  • Pussy Riot beim «Punk-Gebet» in einer Moskauer Katherdrale.

    Mit zensierten Liedern eine Debatte lancieren

    Das «Punk-Gebet» der russischen «Pussy Riot» oder ein chinesisches Lied über das Tian'anmen-Massaker. Das sind zwei von zwölf Liedern auf dem Album «Unsongs» des norwegischen Musikers Moddi. Lieder, die in deren Heimat zensiert wurden und teilweise bis heute nicht gesungen werden dürfen.

    Moddi singt auf dem Album auch Songs, hinter deren Botschaft er selbst gar nicht stehen kann. Aber es geht nicht um ihn, sondern um die verbotenen Lieder: «Musikzensur passiert hier und jetzt», sagt er, «höchste Zeit, dass wir darüber diskutieren».

    Mariel Kreis

Autor/in: Mariel Kreis, Theresa Beyer, Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Raphael Zehnder