Von der Religion abfallen

  • Montag, 12. Februar 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 12. Februar 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 12. Februar 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Zur Religionsfreiheit gehört nicht nur die Freiheit, seine Weltanschauung selbst frei zu wählen, sondern auch die Freiheit, sich von der Religion loszusagen. Nicht für alle Glaubensbekenntnisse ist das unproblematisch.

«Einmal katholisch, immer katholisch» ... Zivilrechtlich ist dieser alte Grundsatz längst nicht mehr gültig. Denn die Religionsfreiheit, die seit 1874 in der Bundesverfassung steht, garantiert den Menschen, dass sie ihre Weltanschauung frei wählen können.

Doch der Austritt aus manchen Religionsgemeinschaften kann sehr wohl unangenehme Folgen haben. Sei es, dass Ausgetretene mit sozialem Ausschluss konfrontiert werden, sie sich entwurzelt fühlen und sich neu orientieren müssen, oder dass sie offen angefeindet oder sogar bedroht werden. Ein Streifzug quer durch verschiedene Kulte, Kirchen und Religionen.

Beiträge

  • Entwurzelung nach Austritt

    David Bopp wurde über seine Eltern freikirchlich sozialisiert. Als Mitglied der Freikirche Chrischona und später des ICF hat er Gott erlebt.

    Doch irgendwann kamen in ihm Zweifel auf, die die Gemeinschaft nicht lösen konnte. Er verliess die Freikirche und bezeichnet sich heute als Atheist - oder, weil sich die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen lässt - als Agnostiker. Nach seinem Austritt fühlte er sich zuerst entwurzelt. Sich ein neues Weltbild aufzubauen, empfand er als schwierig.

    Raphael Zehnder

  • Sieben Jahre zweifelte Rino Zumerle, bis er seinen Austritt erklären konnte.

    Jahrelange innere Kämpfe

    Er habe die Freiheit wiedergefunden, sagt Rino Zumerle, der über zwanzig Jahre lang den Zeugen Jehovas angehörte. Sieben Jahre zweifelte er, bis er seinen Austritt erklären konnte.

    Er hätte seine beiden Töchter, die sich von den Zeugen losgesagt hatten, nicht mehr sehen dürfen. Und die Lehrmeinung, dass sie als Ausgetretene beim Weltuntergang verdammt wären, liess ihn nicht mehr los. Also suchte er nach einem eigenen Weg.

    Raphael Zehnder

  • «Sehr konservative religiöse Gruppen»

    Georg O. Schmid, Leiter von «Relinfo», der evangelischen Informationsstelle «Kirchen - Sekten - Religionen», befasst sich tagtäglich mit Menschen, die aus religiösen Gruppierungen aussteigen wollen.

    Die Versprechungen von Sekten stimmten nicht mit der Wirklichkeit überein. Der Druck auf Mitglieder sei enorm. Rekrutiert würden Menschen, die gar nicht passen würden: Einsame, Ältere, Menschen am Rand, die einfach nur Anschluss suchten.

    Raphael Zehnder

  • Der Kurde Amed Sherwan glaubt nicht mehr an Allah

    Anfeindungen gegenüber Ex-Muslimen

    Im Islam ist ein Austritt aus der Glaubensgemeinschaft nicht vorgesehen. Wer als Muslim geboren wird, bleibt es bis ans Lebensende. Zumindest war es Jahrhunderte lang so.

    Doch weltweit wächst die Zahl von Menschen, die sich vom Islam abwendet. Die einen konvertieren zu einer anderen Religion. Andere verlassen die Gemeinschaft, weil sie nicht mehr an Allah glauben.

    Vor elf Jahren gründete eine Gruppe von ihnen den «Zentralrat der Ex-Muslime in Deutschland». Inzwischen gibt es Ableger auf der ganzen Welt.

    Rebecca Hillauer

  • Islamisches Recht

    Manche islamische Traditionen bestrafen Abgefallene hart. Wie ist das religionsrechtlich begründet?

    Die Forderung nach Eindeutigkeit, dass jemand Muslim sei oder nicht, sei eine Entwicklung der letzten drei, vier Jahrzehnte, sagt Reinhard Schulze, bis vor kurzem Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern. Über Jahrhunderte habe die islamische Welt vorher weniger schwarz-weiss gedacht und der Vielfalt mehr Raum zugebilligt.

    Raphael Zehnder

  • Das Ergebnis eines langen Prozesses

    Ein Brief an die Gemeinde - und draussen ist man. Dass es zivilrechtlich so einfach ist, aus den Landeskirchen und aus einer jüdischen Gemeinde auszutreten, ist ein Ergebnis der Aufklärung und steht erst seit 1874 in der Bundesverfassung.

    Sakramententheologisch gilt zwar noch immer «Einmal katholisch, immer katholisch», aber das Zivilrecht steht in der freiheitlichen Demokratie über dem religiösen Recht.

    Erkundigungen bei Adrian Loretan, Professor für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht an der Universität Luzern, und bei Moshe Baumel, Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel.

    Raphael Zehnder

Autor/in: Raphael Zehnder, Rebecca Hillauer, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Michael Sennhauser