Was ist das Publikum? Zuschauerkunst ist Lebenskunst

  • Mittwoch, 22. November 2017, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 22. November 2017, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 22. November 2017, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Im Dunkeln sitzen und am Ende applaudieren: Das ist eine mögliche Rolle des Publikums. Und es gibt viele andere. Was der ideale, aktive Zuschauer sein könnte, damit beschäftigen sich Theaterschaffende seit Jahrhunderten.

Schon Bertolt Brecht sagte, dass die Zuschauerkunst die wichtigste Kunst am Theater ist. Peter Handke konfrontierte 1966 die Zuschauerinnen mit seiner «Publikumsbeschimpfung» und im heutigen Theater sind Audiowalks, Computerspieltheater oder 1:1-Performances an der Tagesordnung.

Die Berliner Professorin für Theaterwissenschaft Doris Kolesch erforscht das Publikum und schaut dafür (auch) in die Geschichte. Sie sagt: Die heute vorherrschende Vorstellung des Publikums geht auf ein bürgerliches Theaterverständnis zurück, das sich seit Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt hat.

Welche Rolle schreiben heutige Theaterschaffende dem Publikum zu? Weshalb ist Zuschauerkunst auch Lebenskunst? Und wie verbinden sich dabei gesellschaftliche, individuelle und ästhetische Erfahrungen?

Beiträge

  • Das Theater sei ein kollektives Ereignis, auch wenn die eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Vorlieben immer «mitschauen».

    Publikumsgespräch 1: Wie individuell ist zuschauen?

    Es gibt keine guten und schlechten Zuschauer, sagt die Theaterwissenschaftlerin Doris Kolesch. Das Theater sei ein kollektives Ereignis, auch wenn die eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Vorlieben immer «mitschauen». Das alles macht die eigene Sehbiographie aus.

    Doris Kolesch

  • Ein Perspektivenwechsel von der Bühne in den Pubikumsraum lohnt sich.

    Zuschauen kann man lernen

    Von Bertolt Brecht über Peter Handkes «Publikumsbeschimpfung» bis zu dem «Voyeuren», einem Theaterclub für junge Zuschauerinnen und Zuschauer: Der Perspektivenwechsel von der Bühne in den Pubikumsraum lohnt sich.

    Dagmar Walser

  • Im bürgerlichen Theater wurde das Publikum zu kultivierten Beobachtern erzogen

    Publikumsgespräch 2: Jede historische Epoche hat ihr Publikum

    Die Rolle des Publikums verändert sich: Bei Shakespeare kam es ins Theater, weil dieses ein sozialer Treffpunkt war.

    Im bürgerlichen Theater wurde das Publikum zu kultivierten Beobachtern erzogen, mit Sanktionen falls es sich nicht so verhält wie vorgesehen.

    Doris Kolesch

  • Im zeitgenössischen Theater wird zum Beispiel der Zuschauer mit Kopfhörer in die Stadt geschickt.

    Wenn der Zuschauer zum Mitspieler wird

    Immersion und Partizipation sind Schlagworte des zeitgenössischen Theaters. Dabei wird das Publikum zb mit Kopfhörern in die Stadt geschickt oder muss mitspielen.

    Dagmar Walser

  • Das Publikumsverhalten ändert sich genauso wie das Theater.

    Publikumsgespräch 3: Passives Zuschauen gibt es nicht

    Wenn sich die Gesellschaft ändert, ändert sich auch das Theater. Und mit ihm das Publikum. Deshalb hat das Publikumsverhalten auch immer einen sozialen und politischen Aspekt.

    Doris Kolesch

Autor/in: Dagmar Walser, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Raphael Zehnder