Wieviel darf Musikerziehung kosten?

  • Montag, 4. Mai 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 4. Mai 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 4. Mai 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Finnland punktet bei Pisa und in der Musik. Das Wunderland der Bildung investiert in die Musikerziehung 15% der Unterrichtszeit in den neun Gesamtschuljahren. Die Schweiz plant im Lehrplan 21 eine Erhöhung auf 6.3% in der Volksschule. Ein Augenschein in Helsinki und ein Blick auf die Schweiz.

Helmi Hänninen ist 11 Jahre alt, spielt Akkordeon, singt im Kinderchor der Staatsoper und möchte Polizistin werden. Sie ist Teil einer 20-köpfigen Klasse mit Schwerpunkt Musik und besucht die Grundschule Kaisaniemi in Helsinki. Ihre Lehrerin vermittelt Musik so souverän wie andere Fächer, intoniert blitzsauber und spielt leichtfüssig Klavier. Diesen hohen Standard an musikalischer Grundausbildung leistet sich Finnland seit den 1960er-Jahren und investiert damit in eine Gesellschaft mit überdurchschnittlich hoher Chancengleichheit.

In der Schweiz gibt es ungleich grössere Hürden zu überwinden, um Zugang zu professioneller Musikerziehung zu haben. Sie ist aus dem föderal verankerten Schulsystem weitgehend ausgelagert. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Familien verlieren. Sie sind auch an Musikschulen die kleinste Gruppe.

Corinne Holtz mit einer Reportage aus Helsinki, Zahlen aus der Schweiz sowie Einschätzungen von Marja-Leena Juntunen und Isabelle Mili.

Beiträge

  • In Finnland schenken die Schulen dem Musikunterricht besonders viel Aufmerksamkeit.

    Auf Besuch in einer Musikklasse der Grundschule

    Die 11-Jährigen haben heute Band-Proben, ein Auftritt steht bevor. Das Feedback ist ein festes Ritual im Unterricht. Helmi Hänninen, eine Urenkelin Jean Sibelius, singt ansonsten noch im Kinderchor der Staatsoper, reitet und möchte Polizistin werden.

    Corinne Holtz

  • Die Finnen und ihre Musik: Hier das Denkmal für den Komponisten Jean Sibelius in Helsinki.

    Musik konstituiert soziales Leben

    Jeder vierte Erwachsene in Finnland spielt ein Instrument. Das 5,4 Mio. kleine Land leistet sich 15 professionelle Sinfonieorchester und knapp 500 Chöre, und es ruft lange vor dem Volksmusik-Boom ein Institut für Volksmusik an der Sibelius Akademie ins Leben.

    Die musikalischen Erfolge Finnlands sind kein Zufall, sie gründen auf einem historisch gewachsenen Gesellschaftsmodell.

    Corinne Holtz

  • Wie wichtig ist den Schweizern die musikalische Bildung?

    Wieviel investiert die Schweiz in musikalische Bildung?

    Die Stimmberechtigten in der Schweiz haben die Musikinitiative «Förderung der musikalischen Bildung» mit 73 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Der neue Verfassungsartikel stärkt die musikalische Bildung.

    In der Schule sollen Bund und Kantone einen hochwertigen Musikunterricht garantieren, ausserhalb der Schule sollen möglichst alle Kinder und Jugendlichen die Chance haben, musikalisch aktiv zu sein. Eine Auslegeordnung, Fakten und Zahlen.

    Benjamin Herzog

  • Finnland und die Schweiz: zwei unterschiedlich organisierte Wunderländer?

    Wunderland Finnland – Wunderland Schweiz?

    Finnland setzt seit den 1960er-Jahren auf das Prinzip Gesamtschule und die Integration.

    Das Schweizer Schulsystem ist föderalistisch organisiert und hat die Förderung lernschwacher Schülerinnen und Schüler ausgegliedert. Die musikalische Bildung ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich gewichtet und kulturell vom jeweiligen Sprachraum geprägt.

    Einschätzungen von Isabelle Mili, Musikerin und Professorin für Musikdidaktik an der Universität Genf.

    Corinne Holtz

  • Gute Musikschule kostet Geld. Ist das gerecht?

    Weniger statt mehr Chancengleichheit?

    Musikalische Bildung kostet. Sie fusst auf fundierten Ausbildungen von Lehrpersonen und dem Wert, der ihr beigemessen wird. Ein Fazit.

    Corinne Holtz

Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Corinne Holtz