Comic im Retrolook: «Ein diabolischer Sommer»

Gekonnt intelligente Unterhaltung, rasant und komisch erzählt, gespickt mit popkulturellen Verweisen auf die Sechzigerjahre. Ein Buch für Liebhaber schöner Bücher, für Designgeeks und für alle, die wissen wollen, warum man Bücher noch auf Papier macht.

Nora Zukker
Bildlegende: Nora Zukker SRF 3

Entjungferung & LSD

Der junge Protagonist Antoine hat ein nicht nur durch Zeit und Raum distanziertes und definiertes Verhältnis zu seinem undurchsichtigen Vater. Natürlich muss er sich altersgemäss mit den üblichen Irrungen und Wirrungen, die dieses Alter nun einmal mit sich bringt, herumschlagen, was den schlechten Einfluss dubioser und trotzdem faszinierender Freunde ebenso beinhaltet wie das sexuelle Erwachen und die Gelegenheit, dieses in einen farblich brillant visualisierten Wachtraum zu überführen.

Graphic was? Graphic Novel! Ja und jetzt?

Und plötzlich alle so: Graphic Novel! Ja, ist ja gut. Wem dieses Genre was hilft beim Lesen, bitte. Aber eigentlich darf man auch weiter von Comic sprechen. Für Erwachsene. Aber auch nur, weil man die Jugend noch nicht vom Zauber eines LSD-Trips in Kenntnis setzen will. Drum ist «Ein diabolischer Sommer» ab 14 Jahren. Also bitte nicht abschrecken lassen, dass das eine Graphic Novel ist, was schlicht übersetzt: gezeichneter Roman bedeutet und bereits mit dieser Zuschreiben an Konsumenten verliert. Das ist doch wirklich nicht wichtig, wenn es überzeugende Illustrationen gibt, die auch mittelmässig gute Geschichten zu grafischen Ereignissen machen.

Ein diabolischer Sommer
von Thierry Smolderen, Alexandre Clérisse
Carlsen Verlag
978-3-551-72818-0

Autor/in: Nora Zukker